Initiative Siglinde

Ein Strickprojekt in Bosnien-Herzegowina, um die Lebensqualität von Frauen,                                                                                                            die dort durch den Krieg viel verloren haben, wieder zu entfalten


Auszüge aus der Anatomie eines Traumas  

und das Schneider-Projekt für ehemalige KZ-Insassen in Bosnien-Herzegowina


Inhalt: 

1  Hinweise für den Leser 
2  Anatomie eines Traumas aus dem Sichtwinkel von „Lernen“ 
3  Bisherige Bemühungen 
4  Was funktioniert
5  Die Lösung
6  Lernen 
7  Kurze Analyse der ehemaligen KZ-Insassen in Bosnien-Herzegowina
8  Das Schneider-Projekt in Bosnien-Herzegowina 
8.1  Stufe 1:  Einfaches Nähen und psychische Stabilisierung
8.2  Stufe 2:  Näh-Routine und weitere Stärkung der Person
8.3  Stufe 3:  Anspruchsvolle Lernstufe und Umgang mit Trauma-
                        Aktivierungen
8.4  Stufe 4:  Der Schritt in die Professionalität und Wachstum der   
                        Eigenbestimmung
9  Die Vorteile für alle Beteiligten
10  Weiterführende Informationen



1  Hinweise für den Leser

Diese Darstellung erklärt, dass Lernstörungen (sofern sie nicht in mangelnden Grundfähigkeiten des Lernenden begründet sind) ihren Ursprung in unverarbeiteten negativen Erlebnissen haben. Wir skizzieren die Kennzeichen eines Traumas unter dem Fokus des Themas „Lernen“. 

Auf dieser Grundlage wird das Schneider-Projekt der SiTa Consulting in Bosnien-Herzegowina vorgestellt. Die ehemaligen KZ-Insassen, die gegenwärtig an der Schneider-Akademie teilnehmen, sind Frauen. Das Programm steht selbstverständlich genauso auch Männern offen. (Der besseren Lesbarkeit wegen verwenden wir die allgemeinen Begriff wie „Teilnehmer“.)



2  Anatomie eines Traumas aus dem Sichtwinkel von „Lernen“ 

Ein Trauma hat immer diese Bestandteile: 


- Es ist eine gewaltsame Erfahrung und die Erfahrung von Zwang.
- Eine Überwaltigung und starke Einwirkung auf die Person fanden statt. 
- Es kam zu einem unfreiwilligen Annehmen und einem erzwungenen Sich-Einlassen-       Müssen, einem unfreiwiligen Hereinlassen.
- Es gab keine Wahlfreiheit.
 

Dies erzeugt hinderliche Sichtweisen zum Thema „sich auf etwas einlassen“.

Einer der zentralen Punkte, welche ein Erlebnis zu einem Trauma machen, ist die Ablehnung und die Nichtbereitschaft, es erleben zu wollen. (Dieser Umstand ist es übrigens, warum mit  einer Aktivierung des Traumas oftmals eine Nichtbereitschaft, etwas erleben zu wollen, einhergeht.)

Außerdem hängt die Bildung eines Traumas maßgeblich davon ab, inwieweit die Umstände, die geschehen, nachvollzogen und verarbeitet werden können oder nicht. Ein und dasselbe Erlebnis kann für verschiedene Menschen unterschiedlich traumatisch wirken. 


Weiterhin haben Traumas in der Regel einen indoktrinierenden Charakter. Das bedeutet, Informationen werden mit Druck, unter Zwang und ohne Berücksichtigung der Bereitschaft des Empfängers, diese erfahren zu wollen oder zu können, verabreicht. (Die Folge davon sind fixe Gedankenmuster, die die Handlung der Person zukünftig bestimmen.)


3  Bisherige Bemühungen 

Eine Reihe von bisherigen Bemühungen, diesen Menschen zu helfen, sich aus der Einwirkung des Traumas zu befreien, sind gescheitert. Die meisten Technologien und Methoden kamen deshalb nicht zum Tragen, weil die unfreiwillige Einwirkung auf die Person zu stark gewesen ist. Die Frauen konnten sich weder durch Rückführungstechniken noch durch andere Verbal-Kommunikationstechniken nur schwer dem Trauma-Inhalt nähern, geschweige denn ihn betrachten und verarbeiten. 


4  Was funktioniert

Die größte Funktion wurde bisher dadurch erreicht, dass der traumatisierte Mensch eine objektive Tätigkeit im Hier und Jetzt verrichtet. (Unter objektivem Tun verstehen wir das Hantieren, Herstellen, Verändern jedweder physikalischer Form: Malen eines Bildes, Pflanzen eines Baums, Streichen eines Gartenzauns usw.)
Es genügt allerdings nicht, diese Tätigkeiten einfach durchzuführen. Die Sinnhaftigkeit und Verbesserung der menschlichen Qualität beinhaltet die korrekte Anleitung und Begleitung des Arbeitsprozesses. 

In anderen Worten: Das gezielt geführte Handwerken unter Berücksichtigung der wesentlichen Normen und  Richtlinien zur Verbesserung von menschlicher Qualität ist eine funktionierende Lösung der Aufgabe.



5  Die Lösung 

Wir kombinieren folgende Aspekte: 


- handwerkliches Arbeiten 
- Berufsausbildung 
- Traumarückbildung 
. Erhöhung des Gegenwartsbewusstseins 
- Begleitung durch Fachkräfte (aus dem Handwerk)
- Grundlagen von modernem Coaching 
- Grundlagen der Therapiearbeit
- Berücksichtigung der Anatomie und Wirkungsweise eines Traumas. 



6  Lernen 

Lernen ist ein Annehmen von Informationen und Erfahrungen anderer Menschen, die durch die Annahme und Eigenbeobachtung  nachvollziehbar werden und somit zum eigenen Wissen werden können. 

Der Lernprozess braucht die Fähigkeit, Aufmerksamkeit frei schweifen zu lassen oder sie freiwillig gezielt zu richten. 

Der Lernerfolg hängt maßgeblich damit zusammen:
- Sichtweisen ändern zu können,
- Vergleiche anstellen zu können,
- Auswertungen durchführen zu können in Hinsicht auf gewünschte Ergebnisse, die jemand    beabsichtigt zu erzielen. 
- Lernen findet also idealerweise vor dem Hintergrund eines gewünschten bekannten     Ergebnisses statt. 

In jedem Fall ist Lernen ein geistiger Prozess, der im Idealfall durch eine maximal unbeeinflusste Geisteshaltung getragen ist. 


7  Kurze Analyse der ehemaligen KZ-Insassen in Bosnien-Herzegowina

Das hauptsächliche Betätigungsfeld, insbesondere der Frauen, waren (bezogen auf die Zeit vor dem Krieg) Tätigkeiten in der Landwirtschaft, teilweise in Fabriken sowie alle häuslichen Tätigkeiten. 

Die nach dem Krieg am stärksten verfügbaren Qualitäten sind die des Nähens und des Strickens sowie sonstiger Handarbeiten. 

In bisherigen Tests während der letzten Jahre haben sich gemäß eigens durchgeführter Projekte alle Methoden als positiv und heilsam erwiesen, die im Zusammenhang mit Körperarbeit und therapeutisch geführtem Handwerk standen. (Körperarbeit bezieht sich auf QiGong und Yoga; Handwerk bezieht sich auf Nähen  und Stricken.)

Aus all diesen Erkenntnissen und Tests setzt sich das folgende Projekt zusammen: 


8  Das Schneider-Projekt in Bosnien-Herzegowina 


8.1  Stufe 1: Einfaches Nähen und psychische Stabilisierung

Die betroffenen Frauen und teilweise auch Männer lernen das Nähen auf der Stufe 1. Das bedeutet Lernen durch Zeigen, Lernen durch Nachmachen und Nachahmen. Dadurch richten sich die motorischen Fähigkeiten aus. 

Absolute Freiwilligkeit, behutsamster Umgang sind Selbstverständnisse. Keine Korrekturen, humorvoller Umgang – erst mal ist alles erlaubt. 


8.2  Stufe 2: Näh-Routine und weitere Stärkung der Person

Wir erhöhen die Routine bezüglich den gelernten Techniken. Wir beachten alle nötigen ethnischen Traditionen. In den Arbeitsgruppen entwickeln sich gemäß unserer Beobachtung Selbstheilungsrituale. Darunter ist zu verstehen: Welches Thema ihres Lebens besprechen sie wann und mit wem. 


Außerdem beginnt sich ihre Aufmerksamkeit zu formieren. Die Wahrnehmung auf Lieblingsfarben beginnt. Die Geschmacklichkeit beginnt sich leicht zu entwickeln. Erste Vorlieben werden erkennbar. 

Der gesamte Fokus der Betreuer liegt auf dem Herausarbeiten positiver Elemente. Es wird nicht über Negatives oder Kriegstraumatisches gesprochen. 
Wir brauchen einfach den Abstand und die Entwicklung in der Gegenwart. 
Der Lernfokus auf dieser Stufe liegt auf dem verstärkten Können der Nähroutinen sowie auf dem Entwickeln von eigenen Geschmacklichkeiten (Lieblingsformen und -farben). 


8.3  Stufe 3: Anspruchsvolle Lernstufe und Umgang mit Trauma-Aktivierung

Die nächste Stufe beinhaltet schwierigere Nähtechniken. Die Lernmethode ist immer noch das Nachmachen und ständige Wiederholen. Jedoch sorgt der erhöhte  Schwierigkeitsgrad bereits dafür, dass sich die Individualität der Frauen stärker berührt fühlt. Das Ganze hat quasi schon mehr mit der Person zu tun, und hier beginnt die Herausforderung. Jetzt hat der Prozess mehr mit ihr zu tun, und das bedeutet, dass es die Person selbst mehr gefordert wird. Dies wiederum impliziert ein stärkeres sich auf etwas Einlassen-Müssen. 

Sich stärker auf etwas einzulassen bedeutet, gewillt zu sein, etwas hereinzulassen. Freiwilliges etwas Hereinlassen-Wollen beginnt, unfreiwilliges Hereinlassen-Müssen zu aktivieren. 

Sobald die Aktivierung beginnt, beginnen auch die traumatischen Inhalte zu wirken. Die Person ist nun mehr oder weniger dem sich aktivierenden Trauma ausgesetzt, und sie ergreift die ihr zur Verfügung stehenden Lösungen. Aggressivität, apathisches Verhalten, sich gezwungen fühlen, Müdigkeit, Körperbelastungen aller Arten, aufhören wollen, sich unfähig fühlen – um nur einige zu nennen – sind die Folge davon. 

Hier sind die ersten therapeutischen sowie coachingbezogenen Fertigkeiten notwendig, damit der Betreuer im Umgang mit diesen Phänomenen erfolgreich in seiner Begleitung bleibt, also die Teilnehmerin durch diese Erscheinungsformen hindurch bringt.

Es gestaltet sich zum Teil deshalb etwas herausfordernd, weil Erscheinungsformen (wie zum Beispiel seine Meinung nicht ändern wollen, das Beharren auf fixierte Sichten, keine Bereitschaft zur Veränderung und so weiter) direkte Folgen des Traumas sind. 


Zu lernen bedeutet zum Teil das Loslassen von Bestehendem und Annehmen von Neuem. Die lernende Person hat aber in ihrem Basis-Erleben des Traumas zu viele Dinge unfreiwillig hergeben müssen und zu viel gewaltsame Veränderung gegen ihr  Leben erleben müssen, sodass es ihr nun beträchtlich schwerfällt, jegliche damit verbundene Fähigkeit frei einzusetzen.  Im Basis-Erlebnis war alles unsicher. Nichts war stabil. Das Einzige, was sicher und stabil war, ist, dass nichts stabil und sicher war.  

Daraus lässt sich ableiten, welche menschliche Qualität der Coach oder die Begleitperson haben muss, um andere durch diese Umstände hindurch zu begleiten.

Wenn es nun gelungen ist. durch behutsame und korrekte Führung den Teilnehmer durch diese immer wieder aufflackernden Aktivierungen des Traumas zu begleiten, und es geschafft ist, der Person die Angst davor zu nehmen und sie in einen sichereren Umgang mit diesen Phänomenen zu versetzen, ist erst mal schon viel erreicht. (Von Geldverdienen über die Produkte kann hier noch nicht so recht die Rede sein. Außer über sehr einfah hergestellte Produkte.)

Ist diese Ebene erst einmal erfolgreich durchschritten, bemerken wir, dass der Teilnehmer von sich aus nach mehr Können und Wissen verlangt. Hier ist Folgendes zu beachten: Wenn der Wunsch nach mehr nicht vom Lernenden kommt, dann sollte auch nicht mehr gegeben werden, sodass er genügend Zeit hat, das Erworbene ausreichend zu verarbeiten, und damit es nicht zu einer Überfrachtung seines persönlichen Aufnahmevolumens kommen kann. Die Beachtung des PAVs ( = persönliches Aufnahmevolumen) ist ein elementarer Schlüssel für erfolgreiches Wachstum. In ein volles Glas kann man eben nicht noch mehr hineinschütten.  Es zu leeren bedeutet, den Prozess zu verarbeiten.
 

8.4   Stufe 4  Der Schritt in die Professionalität und Wachstum der Eigenbestimmung

Wenn nun der Wunsch nach mehr aus dem Teilnehmer sichtbar als Wunsch entspringt, dann beginnen wir, ihm mehr beizubringen. (Beachten Sie, dass es zusätzlich schädliche Auswirkungen haben kann, wenn Sie dem Schüler ohne eigenen Wunsch weiteres Wissen vermitteln.)

In dieser nächsten Ebene der Ausbildung beginnen Aspekte wie Kreativität, Vorstellungsvermögen sowie ein noch stärkeres Sich-Einlassen eine Rolle zu spielen. 

Das Bewusstsein, mit anderen Menschen in einen gemeinsamen Prozess zu sein, ist bei der Erstellung eines Schnittmusters, eines Entwurfs für einen Kunden sowie bei der Erstellung einer eigenen Mode, eines eigenen Labels von absoluter Wichtigkeit. Die Missachtung dieser Qualität führt nur zu Nachmachern und zur sogenannten Trendhörigkeit. 


Wir erleben bei den Teilnehmern eine deutliche Steigerung von eigenem Geschmack, Individualität und eigenem Charakter. Dies geschieht aber nur, wenn der Einfluss des Traumas nachlässt oder sich weitestgehend aus dem Einflussbereich der Person zurückzieht. Ansonsten erlebten wir die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung des Trauma-Inhalts. 

Je kreativer die Person werden möchte bzw. je erfolgeicher sie in ihrer Kreativität werden sollte, desto richtiger muss die Begleitung durchgeführt werden. Fehlerhaftes Umgehen mit dem Teilnehmer führt immer zu Rückschritt und zur Verschlechterung. 


9  Die Vorteile für alle Beteiligten 

Wenn wir es schaffen, den Beruf des Schneiders zu kombinieren mit einer idealen Ausbildungsstrecke und -methode, begleitet von therapeutischem Wissen und dem Herzenswunsch, dies auch zu tun, dann haben wir eine große Chance.  Auf diese Weise interpretieren wir Hilfe neu und erschaffen dadurch eine positive Zukunftsausrichtung, sowohl für das Schneiderhandwerk wie auch für alle damit verbundenen Berufsgruppen

Die Vorteile liegen auf der Hand: 

1. Die ehemaligen KZ-Insassen erleben eine erhöhte Möglichkeit, ihre menschliche Qualität stärker zum Tragen und zum Wirken zu bringen, und können damit beitragen, eine bessere und unbeeinflusste Zukunft für das Land zu erschaffen. 

2. Der Schneiderberuf selbst erlebt einen Aufschwung. 

3. Kreative Menschen, die im Beruf des Schneiders ausgebildet sind, können ihr Wissen       zum Wohle der anderen weitergeben. 

4. Die Fähigkeit des Begleitens und des korrekten menschlichen Umgangs erlebt einen   einzigartigen Aufschwung und sollte von allen, die sich in der Lage fühlen, dies     nachzumachen, so getan werden. 

Neben vielen anderen positiven Nebenwirkungen ist ein weltweiter Nachmachcharakter empfohlen und bereits in die Wege geleitet. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir auch Coaches und sonstige Begleitpersonen für dieses Programm ausbilden.
 


10  Weiterführende Informationen

Über Einzelheiten zur Umsetzung dieses Projekts informiert Sie die Homepage der SiTa Consulting: www.sita-consulting.com (unter dem Punkt „Internationale Akademie“). 

Zum Thema Lernstörungen aus therapeutischer Sicht finden Sie eine gut lesbare Darstellung unter: www.psychologische-praxis-marburg.de von Christine Bick, Marie-Luise Brinkmann und Anja Witte (Menüpunkt „Therapie“, Unterpunkt „Behandlung von Lern- und Leistungsstörungen“). 


2017 by: 


SiTa Consulting
Siglinde Anzenberger
Lexenbergstraße 24
D – 84437 Reichertsheim 
Tel. 08073 9167667
post@sita-consulting.com
www.sita-consulting.com


Projektberichte


Liebe Konvoi - Projektpaten, Freunde, Partner, Helfer...
 
Es ist gelungen!
 
Am 15.03. sind wir zu dritt aufgebrochen, um die uns gestellten Aufgaben, die wir uns schon lange vorgenommen hatten, zu erfüllen. Die Fahrt nach Bosnien/Herzegowina verlief reibungslos. Nachts sind wir in Donji Vakuf angekommen und erstmal in die Betten im Motel gesunken.
 
Am Freitag, dem 16.03. ging es schon zeitig los, unsere Dolmetscherin aus Oborci, einem kleinen Ort nahe bei Donji Vakuf, war mehr als pünktlich, und nach einem gemeinsamen Frühstück ging es zur ersten Station. Es ist die Nähschule in Bucici bei Jaice.
Die Schneidermeisterin aus Landsberg, die uns auf diesem Konvoi begleitet hat, brachte einen schönen Nähauftrag mit. Und mit viel Freude bei allen Beteiligten zeigte und lehrte sie die wesentlichen handwerklichen Fertigkeiten, die Vertiefung brauchten. Parallel dazu ermittelte unser Import-Experte die rechtliche Importlage vor Ort:
Und siehe da, alle Vorbereitungen, die wir im letzten halben Jahr mit unsere Beratung und unseren Finanzierungsangeboten begleitet haben, waren in Bucici umgesetzt worden. Eine Firma mit Exportmöglichkeit war entstanden.

Jetzt ist es also endlich durch!

Die Stimmung bei den Frauen, bei uns war einfach schön - Emotionen...., Arbeit.... und Zukunft. Nach der Verabschiedung fuhren wir weiter nach Jaice um den Vorgang betreffend dem Autounfall vom letzten Jahr endgültig abzuschließen.
 
Weiter ging es nach Prusac, einem ca. 1 Stunde entfernten Ort, ebenfalls mit einer Nähschule, die von uns betreut wird. Unsere zweite Station.

An diesem Ort gaben wir eine sehr gründliche Orientierung an alle anwesenden Personen und klärten nochmal Verständnisfragen, die sich seit dem letzten mal ergeben haben. Und auch hier sind alle Vorbereitungen zur Gründung einer eigenständigen Firma für den Export nicht nur erledigt, sondern die Firma war bereits von einer Frau gegründet.

Gemeinsam mit dem Import-Experten wurde alles Nötige nochmals genau besprochen, und es gab eine sorgfältige Unterweisung für die Begründerin der Firma, bis ein gutes Vertehen entstand. 

Die Lage in Prusac ist allgemein angespannt, weil sich hier kleinere Machtkämpfe abspielen zwischen denen, die kontrollieren wollen, und denen, die mit uns als freie Partner zusammenarbeiten wollen. Das alte System ist eben noch etwas aktiv. Kein Wunder, wie sollte sich der Wandel vollzogen haben? Die politische Strukturierung, die duch die Amerikaner mit dem Dayton Vertrag versucht worden ist zu etablieren, kam in den Köpfen der meisten Menschen noch gar nicht an. Außerdem mischen auch noch die religiösen Gruppen mit, und die Gier und der Neid sind schließlich auch nicht besiegt. Und die aus dem Leid geborene Demut verfliegt mal schnell mit der Aussicht auf Erwerb, Besitztum und Wohlstand. All das darf man weder unter - noch überbewerten. Es ist eben auch ein Umstand, der existiert. Wir verurteilen niemanden, der in so einer Lage zu Spott, Hohn, Verleumdungen und anderen unschönen Attributen greift. Denn die Krankheit, das Leid sind ja nicht wirklich erlöst oder geheilt. Und die Wunden werden erst noch zu Tage treten mit zunehmender Hoffnung. Erst wenn diese Wunden geheilt sind, gibt es wahre Vernunft.

Erstaunlich war, dass die geplante Firma wirklich steht. Warum das so erstaunlich ist, darauf kommen wir später.
 
Nachdem wir uns verabschiedet hatten, fuhren wir zurück in unser Motel in Donji Vakuf, und es gab zum ersten Mal eine warme Mahlzeit, ein Schnitzel, sehr lecker. Bis dahin hatten wir uns von dem mitgebrachten  Lebensmitteln aus der Kühlbox ernährt, um so sparsam wie möglich zu sein. Der Besitzer und seine Mitarbeiter sind mittlerweile Freunde geworden, sie waren es nämlich auch, die uns letztes Jahr beigestanden und uns unterstützt haben, um die meisten Dinge, die mit dem Unfall vor Ort zu tun waren, abzuwickeln. Gott sei Dank gibt es solche Menschen, und wir haben sie als Freunde gefunden. Unsere Dolmetscherin, die wir schon länger kennen, sie sich immer loyal uns gegenüber verhält und uns jederzeit hilft, wollten wir für ihre Mitarbeit und Loyalität ausreichend würdigen. Für sie hat ihre Aufgabe etwas Normales, es ist so selbstverständlich für sie, den Menschen zu dienen - dennoch es braucht eine Anerkennung: Wir gaben ihr ein kleines Entgelt, welches sie fast nicht annehmen mochte, die Schokolade für die Kinder fiel ihr leichter anzunehmen. Zum Abschluß fuhren wir sie noch nach Hause bis vor ihre Haustür. Mit ihr ist es lustig, Scherze bis in die Nacht hinein, Lachen - nie ein Klagen oder Jammern, kein Ego, sondern einfach ihre "Arbeit" machen. Wie ein Profi! Wir danken ihr von ganzem Herzen, dass sie uns mit ihrer lieben Art begleitet hat.
 
Von Donji Vakuf ging es noch in der Nacht nach Prijedor, zu unserer dritten Station. Dort angekommen sind wir sofort in die Betten gefallen, denn um 7.00 Uhr früh ging es wieder raus, weil es um 9.00 Uhr ein Treffen mit der nächsten Gruppe aus Sanski Most gab. Es sind so liebe Menschen, dass wir staunend innehalten, wie schön sie geworden sind. 

Die Kriegswehen sind weitgehend aus ihren Gesichtern verschwunden. Wir wurden freundlichst aufgenommen, und es herrschte eine warme Atmosphäre. Alle fragten "Wo ist Siglinde?"  

Für diesen Ort hatte unsere Schneidermeisterin zwei Nähaufträge vorbereitet. Und von uns haben die Frauen ebenfalls einen Nähauftrag bekommen. Auch hatten wir für sie mehrere Kisten Stoffe mitgebracht. Es wurde eine lustige Runde, aus acht Vereinen kamen die Leiterinnen aus der Region. 

Und auch hier gab es eine Frau, die eine Firma gegründet hatte und sich bereit erklärte, mit den Frauen aus der Region zusammenzuarbeiten und somit auch mit uns. Es war enorm. Sie hatte alle Papiere dabei, sehr ordentlich. Unser Import-Experte kontrollierte diese nochmals und ja, es war alles okay. Die Frauen fuhren gegen 13.00 Uhr wieder nach Hause, und es wurden viele Einladungen ausgesprochen, sie in ihren jeweiligen Arbeitsstätten zu besuchen. Der Sohn einer anwesenden Frau, er lebt in München, wurde eingeladen uns zu besuchen. Sehr viele Nettigkeiten. 

Im großen Stil würde man sagen "Völkererständigung". Im kleinen sagen wir: "Völkerverständigung - und zwar die echte, wirksame."
 
Den ganzen Tag über strömender Regen, so erledigten wir am Nachmittag unsere Verwaltung, ruhten uns aus, besprachen die Zukunft und leisteten uns nochmal ein gutes Essen. Wir sind sehr sparsam gewesen und gut mit den Dingen umgegangen, was uns wichtig ist.
 
Nun kommen wir zu dem Punkt, warum das mit den Firmengründungen so wichtig und so erstaunlich ist: Weil es den Opfer-Status beendet. Es sagt den Frauen, sie sind unsere Partner, Partner auf Augenhöhe mit Rechten und Pflichten. Sie sind weder Gefangene, Unterworfene, Sklaven oder Minderbemittelte oder Ungebildete. Nein, sie sind nichts davon. Sie sie schöne, stolze Menschen, die lernen, sich und andere wieder zu achten. Sie lernen es aber nicht, weil sie es nicht können, sondern weil die Erlebnisse der Unmenschlichkeit noch auf ihnen lasten, und deshalb sieht es so aus, als ob sie es lernen müssten. Es ist vielmehr so, dass sie es konnten, es wieder können und es immer können werden - in Liebe und allen damit verbundenen Werten zusammenzuleben, als Familie, als Freunde, als Volk, als Nation, als Menschheit in Harmonie und mit der Natur und im göttlichen Bewusstsein. 
 
Am Ende dieses Projektes werden wir uns die Hände schütteln, einander danken, Freude in unseren Herzen haben - und wir brauchen nichts sonst!
Denn das ist soviel.

Und all das führt die Menschen dort und uns näher zu unserem Ziel - in Jaice eine Akademie zu gründen, die im Rahmen der "initiative-siglinde" betrieben werden wird.
 

Euch allen, die Ihr zu uns steht, die Ihr an uns denkt, die Ihr Gutes wünscht, die uns immer wieder Mittel zur Verfügung stellt und uns sagt, dass Ihr uns vertraut....  Euch können wir nicht genug danken. Es ist so wundervoll, was ihr gemeinsam mit uns bewirkt und wie Ihr uns begleitet. Und wie Ihr uns durch Euren Beitrag Kraft gebt, weiter und weiter zu gehen. 

Wie weit? 

Bis die Arbeit gemacht ist. 

Und wann ist sie gemacht? 

Wenn ein System landesweit etabliert ist, welches dafür sorgt, dass kriegstraumatisierte Menschen wieder in eine Freiheit kommen können. Unsere Methode ist das Ergotherapie-Projekt, kombiniert mit entsprechender Körperarbeit (nachzulesen auf unserer internetseite unter der Rubrik "Berichte" - Auszüge aus der Anatomie eines Traumas und das Schneider-Projekt für ehemalige KZ Insassen in Bosnien/Herzegowina). 
 
Wenn das in einem Land geht, geht es auch in allen anderen Ländern...!
Ob wir Euch brauchen? JA.
Ob wir mehr von Euch brauchen? JA.
Ob wir Euch lange brauchen? JA. 

 
"OHNE EUCH GEHT NICHT VIEL - MIT EUCH GEHT ALLES"
 
 
DANKE
Team initiative-siglinde
  
im Zusammenwirken mit
SITA CONSULTING
 
Siglinde Anzenberger
Inhaberin
 
Mail: sita.consulting@gmx.de
Web: http://www.sita-consulting.de
 
Lexenbergstr. 24
D - 84437 Reichertsheim


 

Konvoi-Bericht: Hilfe für Frauen in Bosnien
November 2017
An alle Spender, Freunde, Unterstützer, Helfer

 

Für unseren November Konvoi hatten wir uns vorgenommen:

Dass es in jedem Ort mindestens eine Frau gibt, die bereit ist einen Gewerbeschein zu erwerben.       

In jedem Ort einen stabilen Kommunikationspartner zu haben, mit dem wir und über den wir mit       

   allen Frauen aus diesem Ort in guter Kommunikation und Verbindung sind.

Aufträge für unser neues Produkt - Rucksäcke - vergeben in Orten die noch geeignete       
   Stoffe haben und  sich auch zutrauen, diese Rucksäcke herzustellen.

Einen Näh-Auftrag für Schürzen vergeben.

Den Weg ausbauen in eine bessere Zukunft. Wichtig dafür, dass alle Frauen und Partner gut     verstehen,

dass wir dazu den Gesetzen der verschiedenen Länder entsprechen müssen und wollen, was den       
   Import/Export der Waren betrifft.  

Und das Einverständnis aller, die mitmachen.

Nähmaschinen übergeben

Umsetzung:

Für alle Orte  haben wir eine Power-Point-Präsentation vorbereitet, in der unser gemeinsamer Weg zum Wachstum und für die Zukunft genau aufgezeigt wird, in einzelnen Schritten.  Diese haben wir vorgestellt,  anschließend gab es eine Diskussion mit den Frauen wie sie das sehen, welche Bedenken sie haben, welche Schwierigkeiten es geben könnte, welche Möglichkeiten es gibt usw. 


Wichtig war, mit dem allem so umzugehen, dass die Frauen aus sich selbst heraus den Mut fanden, einen für sie doch sehr großen Schritt zu wagen, nämlich auf das Gewerbeamt zu gehen und sich zu erkundigen was es alles dazu braucht. Durch dieses Vorgehen konnten wir in ihnen ein Verständnis erzeugen warum dieser Schritt notwendig ist. Für die Frauen bedeutet es ein Umdenken aus ihrer kleinen Welt in die "offizielle Arbeitswelt" und den damit verbundenen Regularien. Bei allem, was wir tun, braucht es immer ein Berücksichtigen ihres Hintergrundes, ihrer Erlebnisse, die sie geprägt haben.  

 
Da unsere Zusammenarbeit von Mal zu Mal anspruchsvoller wird, braucht es in jedem Ort einen  Ansprechpartner, der gut Deutsch oder auch Englisch spricht und einen funktion-ierenden  Internetzugang hat. Und auf den wir uns verlassen können. Auch dass er all die Informationen von      unserer Seite selbst gut versteht und an alle Frauen in ihre Gruppe weitergibt und ins Verstehen führt.


Keine leichte Aufgabe mitunter für diese Frauen, die sich bereit erklärt haben, unsere Ansprechpartner zu sein. Es ist eine große Verantwortung, die sie übernehmen. 

 
Unser Rucksack Modell ist in den Hintergrund getreten, da es in keinem Ort noch geeignete Stoffe gibt, aus denen die Frauen die Rucksäcke fertigen könnten. Und es braucht dafür nochmal ganz andere Fertigkeiten. Aber sie haben die Rucksäcke genau angeschaut und Fotos gemacht. Wer weiß, was wir beim nächsten Mal als Überraschung erleben.



Den Näh-Auftrag für Schürzen, den uns eine Bekannte mitgegeben hat, haben wir mit sehr genauer  Anleitung und Erklärung, wie diese zu nähen sind, übermittelt. 

Sich um alles kümmern, was von den Frauen kommt. Es gab lebhafte Gespräche. Manche Frauen waren erst mal enttäuscht, dass wir diesmal keine Produkte mitgenommen haben. Nachdem wir ein  Verständnis über die neue Lage erzeugen konnten, war die Enttäuschung weniger groß, denn der Weg muss sowohl für sie als für uns gangbar und machbar sein. 

Jede Frau konnte entscheiden ob sie den Weg gemeinsam mit uns weiter gehen möchte unter den neuen Bedingungen.



Ergebnisse:


* In allen Orten gab es Frauen, die sich bereit erklärt haben, auf das Gewerbeamt zu gehen und und       
   mitzuteilen, was sie heraus gefunden haben, wenn man einen Gewerbeschein haben möchte.  

Es  sind  mittlerweile aus allen Orten Antworten eingetroffen.
* In allen Orten gibt es jetzt zuverlässige Ansprechpartner, mit den wir in gutem Kontakt sind.
* Rucksäcke wurden vorgestellt als nächste Nähaktion.
* Stoffe und Anleitungen für die Schürzen wurden übergeben.
   Eine Schürze ist schon bei uns angelangt, sie ist wunderschön genäht.  
* Eine größere Welt hat sich aufgetan, neue Sichtweisen sind entstanden, was den Weg in mehr 
   Selbstständigkeit und Bestimmung betrifft. 

Zum Schluß möchte ich Euch/Ihnen einfach noch mitteilen, was mich berührt hat, und was mich bestärkt, weiter zu machen:
Es ist der Mut dieser Frauen. Zehra, eine ca. 60 jährige Dame, hat das erste mal vor allen Anwesenden über ihr Schicksal erzählt: dass sie ihr ungeborenes Kind verloren hat und ihr Mann am Morgen aus dem Haus ging und nie wieder zurück kam. Und dass sie nicht weiß, was mit ihm geschehen ist. Sie sagte auch, sie wird jetzt nicht mehr schweigen, sondern über das, was mit ihr passiert ist, was überhaupt passiert ist, reden. Denn die Darstellungen, die in den Medien gezeigt werden, entsprechen nicht dem was sie erlebt hat. Das möchte sie nicht mehr stillschweigend hinnehmen. 
Diese Äußerung ist für mich ein Ausdruck, dass unsere Arbeit in den Frauen Veränderungen herbei führt. Das wieder mehr Lebenskraft in sie einkehrt.

Durch unsere Wertschätzung, unsere Aufmerksamkeit, unseren Respekt und unsere Anerkennung entsteht  immer mehr Hoffnung und Zuversicht bei jeder Frau. Auch wenn sie leicht geknickt kommen, wenn wir uns wieder sehen: In ganz kurzer Zeit ist ihre Haltung eine andere und sie sind fröhlich, lachen, sind wacher und beteiligt. Wenn sie gehen, nehmen sie all das mit nach Hause, und es trägt sie bis zu unserem nächsten Zusammensein. 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen: "Den Glauben das wir durch unser Denken und Handeln etwas verändern und bewegen."

Unser Team wünscht Euch/Ihnen allen Momente der Stille für Weihnachten, in denen Raum für Träume, Visionen und Ideen ist und Ihr/Sie die Kraft finden diese im Neuen Jahr zu be-leben. 
 
Ich bedanke mich von ganzem Herzen für Eure/Ihre Unterstützung und Anteilnahme zum Gelingen dieses Projekts. 


Herzliche Grüße
 

Siglinde Anzenberger

Gründerin der Initiative Siglinde

April 2017
 

An alle, die uns helfen und unterstützen, dass sich unsere Vision immer mehr ins Leben bewegt - ein Danke von Herzen.
 
Das waren unsere Aufgaben für den Konvoi im April:

* Mit den Frauen der Strickschule in Sarajevo Zeit verbringen, um das Stricken der neuen Fellbommelmützen und der Stirnbänder nachzuholen. Dies kam auf unserem letzten Konvoi zu kurz, weil durch durch die nicht eingeplanten Abwicklung der Zollformalitäten drei Tage verloren hatten.

* Ihre fertigen Strickprodukte auf Qualität kontrollieren.

* Das neu erarbeitete Modell der 5 Ebenen in der Stricktherapie vorstellen.

* Stoffe (7 Bananenkisten) übergeben, da die letztes Mal mitgebrachten Stoffe noch nicht nach Sarajevo transportiert werden konnten.

* Mit der Gruppe im zweiten Ort, wo Taschen genäht werden, Zeit verbringen und uns näher kennenlernen, weil das bei unserem letzten Konvoi auch zu kurz kam.

* Fotos von allen Frauen machen für eine Ausstellung und um ein Buch entstehen zu lassen.

Wir haben alle unsere Konvoiziele erreicht

Auf diesem Konvoi wurde ich begleitet, unterstützt und ergänzt von zwei Frauen, Monika und Birgit, die das erste Mal mitfuhren. Monika ist eine große Hilfe hier in Deutschland. Sie sortiert die gespendete Wolle, hilft bei der großen Stoff-Abholaktion im März und ist beim Stoffe-Zuschneiden für den Transport nach Bosnien aktiv. Nebenbei macht sie auch noch Apfelstrudel für alle, die an dieser Aktion teilnehmen. Sie ist mit ihrem großen Interesse an den Frauen und deren Alltag eine wunderbare Assistentin, hier und in Bosnien.

Birgit ist Malerin und Kunsttherapeutin. Von ihr stammt die Idee mit den Porträtfotos. Dabei geht es um "gesehen werden" - die Frauen mit ihrem Schicksal und Trauma aus dem Vergessen ins Bewusstsein der Menschen zu holen. Daran zu erinnern, dass diese Menschen ein Recht darauf haben, ein würdevolles Leben zu leben. Ihnen wieder einen Platz in der Gemeinschaft der Welt zu geben.
Das Ignorieren hat lange genug gedauert und muss aufhören. Anstatt dessen braucht es Anteilnahme und ein Auseinander-setzen mit dem Thema.
Um diese Fotos machen zu können, wurden alle Frauen gefragt, ob sie fotografiert werden möchten, ob sie damit einverstanden sind, wenn diese Fotos in einer Ausstellung gezeigt und in einem Buch verwendet werden. Alle Frauen waren sofort damit einverstanden.  Birgit hat das Fotografieren auf sehr einfühlsame Weise  umgesetzt, die Frauen durften sich zeigen. Ein bewegendes Ergebnis.

Jede Frau wird ein Foto bekommen, und zwar das, welches ihr am besten gefallen hat.

Gastfreundschaft ist immer noch ein hoher Wert in Bosnien. Und so wurden wir auch am zweiten Ort, in der Nähe von Donji Vakuf, herzlich empfangen und aufs Köstlichste mit Selbstgemachtem bewirtet. Wir konnten damit auch das Versprechen einlösen, dass wir Zeit für sie haben, um uns kennenzulernen. Dieses Miteinandersein ist ein wichtiges Element, denn es drückt aus, dass die Frauen uns etwas bedeuten.

Am Schluss unseres Treffens haben sie uns noch die fertig genähten Taschen gezeigt und gefragt, ob diese gut sind. Die in der Gemeinschaft produzierten Taschen sind sehr gut genäht und in geschmackvollen Farbkombinationen zusammengestellt.

Jetzt im Sommer bis in den Spätherbst hinein werden die Frauen nicht ganz so viel Zeit fürs Taschennähen zur Verfügung haben, weil sie mit Garten- und Feldarbeit beschäftigt sind.

Taschen-Projekt „Stoff statt Plastik“
An diesem Projekt nehmen kriegstraumatisierte Frauen teil. Manche von Ihnen waren selber waren in Konzentrationslagern, oder Mitglieder aus ihren Familien.

Mit diesem Projekt unterstützen wir die internationale Kampagne "Stoff statt Plastik".

Stoffe, Nähmaschinen und alles, was es sonst noch braucht zum Taschennähen, wird von der Initiative Siglinde gesammelt, sortiert, verpackt, nach Bosnien transportiert und dort den Frauen als Geschenk übergeben. Sie dürfen damit machen, was sie wollen.

Den Vertrieb der Taschen übernehmen Firmen,  die den Frauen die Taschen abkaufen und aus Bosnien importieren.
  
Das Modell der 5 Ebenen in der Stricktherapie
 
Jede Frau ist in unterschiedlichen körperlichen und psychischen Zuständen, und den besten Erfolg gibt es, wenn sie dort gefördert wird, wo es am meisten gebraucht und gewünscht wird:
 
Ebene 1 und Ebene 2 umfassen therapeutische Schritte, Körperarbeit in der Gemeinschaft, als nächstes Handwerken um zu üben, dadurch entsteht mehr Aufmerksamkeit für die Gegenwart und mehr Zuversicht und Selbstvertrauen.
Ebene 3 ist eine Lern-Ebene. Hier wird das Handwerk ausgeübt, um Qualität zu erzeugen und die erhöhte Bereitschaft für fachliches Können. Daraus entstehen schöne, brauchbare Produkte, und es erwächst eine vermehrte Verantwortung für das eigene Können.
Ebene 4 ist die Profi-Ebene. Jetzt werden Produkte mit höherem Schwierigkeitsgrad gelehrt und hergestellt. Es entstehen professionelle Produkte, die vom Markt sehr gut angenommen werden.
Ebene 5 bedeutet, eine selbstständige Geschäftsfrau zu sein (für die Frauen, die das wünschen). Hier werden Grundlagen des Handels und der Marktwirtschaft gelehrt und begriffen, sodass die eigene Existenz aufgebaut und stabilisiert werden kann.
Es war wieder deutlich zu spüren: Wir sind die Hoffnung für diese Frauen. 

Dazu brauchen wir auch weiterhin Eure Unterstützung und Anteilnahme:

- Wir sammeln fortlaufend Stoffe (geeignet zum Taschennähen), Nähmaschinen, Wolle und Zubehör
- Helft uns beim Sammeln und Sortieren der Güter
- Begleitet uns auf den Fahrten nach Bosnien
- Damit das Projekt langfristig gesichert ist, sind wir dankbar für jede finanzielle Zuwendung.

In diesem Konvoibericht möchte ich Euch/Ihnen noch zwei Dinge mitteilen:

Eine der Grundlagen unseres Arbeitens mit den Frauen in Bosnien/Herzegowina findet ihr auf der homepage meiner Firma SiTa - Consulting. Wir möchten Eure Aufmerksamkeit auf einen Artikel lenken, den Ihr auf dieser findet, der Titel lautet:

"Auszüge aus der Anatomie eines Traumas" und das Schneiderprojekt für die ehemaligen KZ - Insassen.

Der Inhalt dieses Artikels ist der Kern des Projekts. Die Funktion ist eine einzigartige Chance, um durch das Programm Stricken und Nähen das Wohlbefinden der Teilnehmer zu fördern.

Ich würde gerne hören was Ihr/Sie dazu sagt. Und ich freue mich wenn Ihr mir Eure persönliche Meinung zu diesem Artikel schreibt. 

der Link ist:

http://www.sita-consulting/Buecher/Fachartikel/
Und in meiner Gruppe ist ein Buch entstanden, dass auch mit unserer Arbeit zu tun hat. Es heißt "Von der Vision zur Wirklichkeit" und ist ein Werkzeug wie jemand der Etwas vorhat von A nach B kommt.

Wenn Ihr/Sie keine mails mehr erhalten möchtet, bitte melden.


Herzliche Grüße
 

Siglinde Anzenberger

Gründerin der Initiative Siglinde


Februar  2017


Liebe Konvoi-Freunde,

dieser Konvoi gestaltete sich etwas herausfordernder als die bisherigen. Die Beanspruchungen waren höher. Deshalb lassen wir Euch, liebe Spender und Freunde der „Initiative Siglinde“, den Ablauf so genau wie möglich zukommen, damit Ihr ein gutes Verstehen erlangt, was lief. 

Als Erstes nochmal ein Blick auf unsere Aufgabe. Es leben aus dem letzten Krieg, der 1995 endete, von 250.000 Insassen der Konzentrationslager noch ca. 100.000 in Bosnien-Herzegowina. Der Rest ist verstorben, ausgewandert oder vermisst. 

Diese 100.000 sind unsere Zielgruppe. Da sie meistens auch schon älter sind, ist Eile geboten, da sie sonst wegsterben. Unsere Aufgabe: 

 

Durch therapeutisch geführtes Handwerken den Menschen einen Bezug zur Gegenwart ermöglichen (andere Therapien haben weitestgehend versagt, da für die Schwere des Traumas oftmals nicht verwendbar) und ihnen somit die Möglichkeit zu geben, ihr Leben wieder aufbauen zu können, ohne dass die Schrecken des Folter- und KZ-Traumas auf sie wirken – was sonst im Moment so nicht möglich ist. Es ist deshalb nicht möglich, weil das Erlebte zu schwer war, als dass es verarbeitet werden könnte. Eine „ethnische Säuberung“, also der Versuch, ein Volk auszulöschen, geht nun mal nicht mit Samthandschuhen, sondern nur mit Folter, Umerziehung unter Pein und Vergewaltigung der Frauen, um die nächste Generation ebenfalls zu vernichten. 

Das, was wirklich funktioniert, ist Arbeiten, Handwerken. Wobei das Handwerken in erster Linie nicht des Gelderwerbs wegen gemacht wird, sindern weil dadurch gezielt die Aufmerksamkeit in die Gegenwart gelenkt wird und die Frau so beginnen kann, sich aus dem Schrecken des Traumas zu befreien. Die Folge ist eine Wahrnehmung von „hier und jetzt“, was dann zur Möglichkeit des Gestaltens führt; Dann wird nicht bei jeder Vorwärtsbewegung im Leben die Idee “Du bist nichts, du sollst nicht sein!“ als Gedanke auftauchen, der unter Pein verabreicht wurde, auch die dazugehörigen Psychosomatiken, die dann zu körperlichen Schwierigkeiten führen können, würden sich nicht wieder aktivieren.

 

Also, das ist die Aufgabe, die wir in der „Initiative Siglinde“ angenommen haben, und diese werden wir erfüllen! 


Dazu machen wir regelmäßige Konvois mit den verschiedenen Zwecken, um dieses Programm voranzubringen.


Aufgabe dieses Konvois: 

80 Kisten Stoffe und ca. 10 Kisten Strickmaterial iin 7 Orten und Städten in Bosnien auszuliefern.

Vorbereitung: 

Wir sammeln über zwei bis drei Monate hinweg Stoffe, Wolle und Zubehör. Wir holen selbst und mit unseren Partnern die Stoffe bei den Sammelstellen in Bayern ab, oder sie werden uns von den Sammelstellen gebracht. Dann sortieren wir das fürs Projekt Brauchbare vom aktuell nicht Brauchbaren aus und bereiten alles für die Reise vor. 
Parallel dazu machen wir die notwendigen, vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Papiere fertig. Ständig laufen Kommunikationen per Mail mit unseren bosnischen Partnern. Wir koordinieren die Anlieferung der Spendengüter – ebenso eine Aktion über mehrere Wochen.

Schwierigkeiten: 

Ein wesentlicher Partner bekommt eine Lungenentzündung, ein anderer eine Grippe.  Alles in den Zeiten kurz vor der Abfahrt. Die Durchführung steht in Frage. Außerdem müssen wir wegen der großen Kistenmenge einen Sprinter-Wagen mieten. Dieser kostet 750,00 Euro, die waren nicht eingeplant. Die Finanzen dafür sind nicht da. Wieder steht die Durchführung in Frage. 

Aber: Wie es oft in solchen Situationen so ist, passiert auch das Gute. Von bekommen von zwei Spendern zusammen 1000,00 Euro, und so können wir den Sprinter zahlen. Da wir alle berufstätig sind, würden wir, wenn wir den Konvoi nicht absagen wollen, aus der eigenen Tasche zahlen – was wir oft machen, wenn wir eben nicht genug Spenden hereinbekommen.


Donnerstag, 23. Februar

Das Beladen

 

Die Beladung beginnt. Teilweise sind die Akteure gesundheitlich noch nicht hundertprozentig fit. Aber das Projekt hat begonnen. Hunderte Leute warten auf uns. Etwa 12 Vereine in Bosnien warten auf die Gaben. 

Und: ein Versprechen darf man nicht brechen. Schon gar nicht mit Menschen, die so etwas erleben mussten wie diese bosnischen Menschen. 


Die Abfahrt

 

Am 23. Februar von München nach Graz in Österreich, dort übernachen. Alle sehr müde. Günstigstes Hotel. Einigermaßen gut geschlafen. Husterei ist Dauerthema. Moral gut! 


Freitag, 24. Februar

Weiter an die Grenze zu Bosnien-Herzegowina nach Gradiska. Ankunft um 13.00 Uhr. Hiobsbotschaft: Wir sind überladen und können die Güter nicht wie vorbereitet als Geschenke einführen. Wir verhandeln bis 21.00 Uhr abends. Zig telefonate übers deutsche Handy. Die Kosten steigen. Keine Lösung. Wir verzollen, und das über eine Spedition. Kein Weg, das hinzukriegen.

Übernachtung im Jugendhotel für 15,00 Euro pro Nacht (die einzig verfügbare Möglichkeit). Über einen Kontakt in Sarajevo kommen Freunde, auch ein Polizist, zur Grenze und versuchen, uns durchzubekommen – nichts geht. 
Abendessen in der Jugendherberge: Mitgebrachte selbstgemachte Fleischpflanzerl und hartgekochte Eier sind das Abendbrot. Es regnet seit Stunden in Strömen. Kälte. Etwas nass geworden, planen wir den ganzen Konvoi um, da wir wissen, dass der Zeitplan überhaupt nicht haltbar ist. Außerdem machen wir eine Worst-Case-Analyse, die sieht allerdings nicht gut aus. Final wissen wir nicht, ob wir unter den gegebenen Umständen überhaupt einreisen können. In die EU zurückfahren geht übrigens auch nicht. Na ja, ganz schöne Lage – aber: Moral sehr gut. Wir sind zuversichtlich. 

Samstag, 25. Februar


Den ganzen Vormittag verhandeln wir mit Zoll, Speditionen, befreundeten Partnern und so weiter. Dann endlich weg von der Grenze – aber nicht in unsere Zielgebiete, sondern in eine andere Stadt, wo der Wagen (der mittlerweile verplombt wurde) entzollt werden darf. 
Es ist mittlerweile aber klar geworden, dass vor Montag mittags nichts gehen wird, da am Wochenende, in das wir hineingeraten sind, die Zollämter nicht arbeiten. 
Unser Back Office in Deutschland (eine Gruppe von Leuten, die schichtweise 24 Stunden wachen, ob der Konvoi etwas braucht, zum Beispiel Botschaftskontakte, Versorgungen usw.) leistet an diesem Tag hervorragende Arbeit und hilft uns sehr. 

Neuer Plan:

Unter Anbetracht, dass wir wissen, dass der gemietete Sprinter 100,00 Euro pro Tag kosten wird und am Dienstag Abgabetermin in Bayern ist, planen wir, wie in der Vornacht begonnen, weiter um – da ja nun der Rest bekannt ist, dass am Montag die Entzollung stattfindet.
Also: Eine Gruppe fährt zu den ersten beiden Städten, also zu den wartenden 20 Menschen in der ersten Stadt und den 50 Wartenden in der zweiten Stadt. Die zweite Gruppe fährt zum Entzollen quer durch Bosnien. Wir sind an der Grenze, und die Entzollung ist etwa 300 Kilometer entfernt. Los geht’s – endlich! 

Sonntag, 26. Februar

Gruppe 1 erledigt alles, Gruppe 2 ebenso – alles planmäßig. Jedoch haben wir wegen der Zeitverschiebung nicht die Gelegenheit, die Supervision unserer Projekte ausführlich machen zu können. Wir geben zwar die Güter ab, und das ist das Wichtigste. Aber unsere sonstige Qualität wurde nicht erbracht: genaues, liebevolles Zusammensein mit diesen Menschen und deren Erfolg mit Interesse begleiten sowie ihnen helfen, ihre Form zu finden … Wir werden dies in einer Reise im April nachholen und alles auf Stand bringen. Per E-Mail haben wir dafür alles schon vorbereitet. Alles ist geregelt dafür. 

Es ist kein Schaden entstanden. Aber heikel war es dennoch, weil die Leute einfach ein hohes Niveau gewohnt sind.

Gruppe 1 hat im Norden von Bosnien noch die Herausforderung, dass eine Gruppe von Strickerinnen aus dem Programm aussteigen will. Die Frauen sind aufgestachelt worden (sie sollten doch mehr Geld bekommen …). Auch erkennen wir, dass hier Fremdeinfluss, unguter Fremdeinfluss herrscht. Wir bringen die Sache zügig in Ordnung. Am Ende Gelächter, Spaß. Dennoch wissen wir auch, dass der Erfolg Neider hervorrufen kann. Und dass die Betroffenen eine größere Unterstützung unsererseits benötigen. 

Montag, 27. Februar

Gruppe 1 fährt von Nordbosnien nach Prusac und vereinigt sich mit Gruppe 2, die gegen 14.00 Uhr aus dem Zoll entlassen wurde – 4 Tage später als geplant!!!Nach dem Zusammentreffen geht es zügig durch alle Städte in der Gegend von Travnik. Alles an Gütern wird zügig ausgeladen, die Anspannung ist nicht unerheblich. Danach geht es in die Autos und in derselben Nacht noch 300 km nach Nordbosnien und dort an Vertreter von 9 Vereinen die versprochenen Güter ausgehändigt. Arbeit bis spät in die Nacht. Alle Frauen sind sehr glücklich. Wir selber sind etwas durchgefroren, müde, aber auch zufrieden. Schnell ins Bett.

Dienstag, 28. Februar

Am Morgen arbeiten wir noch Vertreter einer Gruppe im Norden in die Stricktechnik ein, danach am Stück nach München zurück. Auto auspacken – Sprinter zurückgeben – nach Hause – schlafen. 

Ergebnis: 

- Zollformalitäten und Speditionswesen für den nächsten Konvoi ermittelt
- 80 Kisten Stoffe ausgeliefert an 8 Städte und unsere Frauen im Projekt
- 12 Nähmaschinen ausgeliefert
- 20 Bügeleisen ausgeliefert
- 10 Kisten und einige Tüten Wolle ausgeliefert
- In Sarajevo begonnen, die Gruppe einzuweisen
- In Kozarac die Gruppe eingewiesen
- eine weitere Gruppe im Norden eingewiesen
- 12 Vereine ins Projekt aufgenommen
- alle geplanten Stellen angefahren und Güter ausgeliefert
- keine Verluste an Material oder sonstigem
- sparsamst gewirtschaftet mit Geldern.
- Trotz Spenden mussten wir 1.300,00 Euro dazuschießen aus Privatbeständen.
- Ca. 3000 Kilometer gefahren. Alles störungsfrei.

An dieser Stelle danken wir …

… allen Konvoifahrern, Helfern, Spendern, Unterstützern, Autovermietern, bosnischen Repräsentanten der Orte, Projektleitern.

In alle dem Wirrwarr, das sich momentan in der Welt abspielt, ist es für uns nicht selbstverständlich, dass Ihr uns und damit diesen Menschen helft. 
Wir haben selbst gesehen, mit welchen schnellen Fortschritten die Frauen in die Eigenbestimmung hineinwachsen, wie sehr sie sich verbessern, was dieses Projekt an Hoffnung und Dynamik auslöst.

Siglindes Wahrnehmung der Frauen und ihrer Entwicklung

- Bemerkenswert war für mich zu sehen, wie sich die Frauen in mehr Kreativität hineinbewegen. Sie brauchen immer weniger Vorgaben und Vorlagen. Sie sind in der Lage, sich immer mehr vorzustellen, wie ein Strickwerk nach ihrem Ermessen auszuschauen hat. Es gelingt also immer besser, in komplexeren Strukturen zu überlegen und dies auch umsetzen zu können.

- Die Freude, dass sie etwas erschaffen und schaffen können, etwas Nutzvolles herstellen, was gebraucht wird, ist in ihren Gesichtern zu sehen.

- Die Exaktheit steigert sich immer mehr.

- Das Trauen, sich etwas zu wünschen, kommt immer mehr zum Vorschein. Und auch das Trauen, eigene Vorschläge und Ideen einzubringen.

- Die Stimmung der Frauen, wenn sie kommen, wird immer entspannter.

- Sie werden offener.

- Es kristallisieren sich die Stärken der einzelnen immer mehr heraus, und darauf wollen wir aufbauen. Denn am besten wächst jemand, wenn ihm etwas immer besser gelingt.

- Und das, was mich am allermeisten freut und auch begeistert. ist: Ihre Dankbarkeit, ihr Wille zum Lernen, der Wille, den Herausforderungen, die ihnen auf dem Weg des Lernens erscheinen, zu begegnen, ihr Vertrauen in uns und in sich nimmt zu, ihr Einlassen auf Neues. Ich bin stolz auf sie, auf ihr Durchhaltevermögen, ihr Dranbleiben, ihr Zueinanderhalten in der Gemeinschaft und dass, wenn ich etwas entdecke, was nicht dem entspricht,was sein soll, sie diese Korrektur annehmen, sogar danach verlangen. 

- Diesmal war die Zeit zu wenig, um mir ihre Strickwerke genau anzuschauen und sie angemessen zu würdigen, das war ein kleiner Wermutstropfen - aber das wird nachgeholt. Denn es ist ein wichtiger Bestandteil unserer Zusammenarbeit. Und die Frauen warten schon darauf.

- Auch die Einweisung in die neuen Modelle, die wir machen werden (Fellbommelmützen und Stirnbänder), kam etwas zu kurz. Aber allein anhand der Fotos, die sie gesehen haben, werden sie wunderbare Sachen herstellen und sich alles, was sie dazu brauchen, selbst erarbeiten - welch Fortschritt!!!

- Was sich auch klar gezeigt hat, sie brauchen uns und sie brauchen Aufmerksamkeit in Form von mehr Zeit, die wir miteinander verbringen. Wie Pflanzen, die können auch immer wieder ohne einen auskommen, aber sie brauchen auch, dass man sich um sie kümmert, sonst verkümmern sie.

- Und nachdem wir jetzt auch das Taschen-Nähen als zweite Säule des Programms anbieten, haben sie eine weitere Möglichkeit, sich zu entfalten. Zu sehen, mit welcher Liebe sie diese gemacht haben, wie sie die Stoffe ausgesucht haben, ist ergreifend. 

Die Belohnung aus unserer Arbeit ist: die Werte, die durch das therapeutische Handwerken wieder ins Leben gerufen werden (Stricken und Nähen ist das Werkzeug, mit dem die Frauen sich die Werte wieder erarbeiten) bei jeder einzelnen Frau, das trägt bei zu ihrer Gesundwerdung. Und je gesünder ein Mensch ist, umso mehr kann er wieder anderen helfen. Und somit werden die, denen wir helfen, zu Helfenden.

Danke!

                        

Es ist ein gangbarer Weg

Es ist machbar, das zu tun. Es gibt Ergebnisse. Niemand sagt, dass es nur easy und leicht ist. Nein. Es ist Knochenarbeit und es ist viel Liebe und Hingabe im Einsatz – und ein von allen getragener Wunsch, dass wir dieses Projektziel schaffen, alle verbliebenen 100.000 Menschen in eine verbesserte Lebenslage zu bringen.

 

Und nun ist es an der Zeit, Ihnen/Euch, die Ihr die Aufmerksamkeit aufbringt, diese Zeilen zu lesen und uns zu helfen, zu sagen: dass es ohne Euch nicht geht – nur mit Euch! Es ist wichtig, dass Ihr uns versteht, dass Ihr an uns denkt, dass Ihr uns alles Gute wünscht, dass Ihr uns finanziell unterstützt, beim Sortieren und Verladen helft, Euch meldet zum Mitmachen, Projektpaten werdet (und 15,00 Euro im Monat investiert) – und einfach an uns glaubt!  Die Menschen dort glauben an uns - wir haben sie nicht enttäuscht und werden es auch nicht tun.

Viele Grüße

Euer Team von Initiative Siglinde 


PS.

Unsere neue Telefonnummer: 0157-37 05 75 99 

Hier zum Abschluss eine Nachricht von Jasmina, eine der Frauen in Bosnien, die am Projekt teilnimmt. Am 11. März 2017 schickte sie uns diese Mail:

“Hallo ...


Ihr Lieben aus der Initiative Siglinde,

sehr froh bin ich, dass Ihr ohne Probleme wieder zu Hause angekommen seid.

Zudem tut es mir leid, dass Ihr an unserem Zoll Schwierigkeiten hattet.

Aber das ist jetzt hinter Euch und wir hoffen, dass es beim nächsten Mal viel einfacher sein wird.


Ihr macht die richtige Sache für unsere Frauen, die Euch wirklich, wirklich dankbar sind.

Wir sind noch unter dem Eindruck vom letzten Mal, und unsere fleißigen Frauen arbeiten sehr viel, damit Sie ihren Teil der Arbeit qualitativ noch besser machen können.


DANKE EUCH ALLEN,

dass Ihr einen Sinn in unsere Leben bringt und zeigt, dass es in dieser komischen Welt Menschen gibt, die an andere Menschen denken und ihnen Gutes tun. 

Vielleicht habt Ihr auch im Gespräch mit unseren Frauen bemerkt, dass sie auch nach 20 Jahren noch sehr enttäuscht von der Gesellschaft im Globalen sind. Sie fühlen sich sehr zurückgestellt, besonders in ruralen Gebieten.

Sie sind von ihrem Land enttäuscht, denn viele, die arbeiten können und auch Qualifikationen haben, können keinen Arbeitsplatz bekommen, für den sie eine Ausbildung haben.

Von tieferen Gefühlen bei ihnen möchte ich jetzt nicht sprechen und Sie auch damit nicht langweilen, aber ich meine, Sie sollten auch etwas von uns wissen.

Und dann kamen in all dies – Sie. Mit Hoffnung und Unterstützung, damit nicht alles verloren ist.

Damit eben diese Frauen anders von sich und der Umgebung denken.

DANKE IHNEN in ihrem und in meinem Namen

Hinzufügen möchte ich noch, dass ich Ihre Mail nach Sanski Most weitergeleitet habe.

Nun wünsche ich ein angenehmes Wochenende – und wir sehen uns im Mai …

Liebe Grüße aus Prijedor

Jasmina“


Januar 2017
 
Liebe Spender/innen, Helfer/innen und Unterstützer/innen,
 

ein sehr herzliches Danke an Euch alle.  Mit eurer Unterstützung ist es uns gelungen, an mehrere Orten in Bosnien-Herzegowina wieder ein Stück Hoffnung und Zuversicht zu bringen. In vier Tagen, bei bis zu minus 27 Grad und winterlichen Straßenverhältnissen, haben wir  2 Autoladungen voll Material (das waren ca. 30 Bananenkartons) an 60 Frauen verteilt, und damit können sie nun arbeiten. (Der Transporter, der uns zugesagt worden ist, stand uns kurzfristig nicht mehr zur Verfügung, deshalb fuhren wir mit 2 PKWs).
 
Die Menschen haben sich sehr darüber gefreut. Wir haben gesagt, von wem die Sachen gespendet wurden.
 
Ich hielt einen Vortrag vor 80 neuen Frauen und habe dabei unser neues Drei-Säulen-Programm vorgestellt. Die erste Säule ist das therapeutische Stricken, die zweite Säule ist eine Ausbildung zum Stricktherapeuten und die dritte Säule ist das Taschennähen.

Durch diesen Vortrag haben sich 35 neue Frauen für Säule 3, das Taschennähen, angemeldet. Auch für die anderen beiden Säulen gab es Anmeldungen.
 
Sicher könnt Ihr Euch vorstellen, wie das ist: Alleingelassen, kein Geld oder eine kleine Rente unter 100 Euro, kein Brennmaterial, von der Welt nicht mehr beachtet und nichts mehr zu tun … Klar ist, dass dadurch "Blödsinn" (Gedanken mit destruktivem Inhalt) in ihren Köpfen sich breit macht, und die Suizidrate wird dadurch nicht weniger. Die Menschen kommen durch ihr Schicksal an die Grenze zur Kriminalität.
 
Das können wir verhindern – auch wenn es weh tut, wenn man auf Spenden angesprochen wird – jeder sollte es dennoch tun. Gerade in unserem Projekt, wo wir direkt an die Menschen liefern und nachweisen können, wo es hinkommt und seinen Zweck erfüllt.

Ich finde, wenn wir schon so eine Hoffnung bieten können, dann muss man das auch tun. Die Frauen, die bereits teilnehmen, verbessern sich zunehmend in ihrer persönlichen Lage. Sie haben mehr Stabilität und mehr Gesundheit sich er-"handarbeitet". Es spricht sich herum, dass unsere Hilfe hilft.

Deshalb mein Anliegen an Euch:

Wir brauchen dringend Geldspenden, um den Frauen in Bosnien aus ihrer tiefen Not helfen zu können, um die 35 neuen Frauen im Februar mit Material versorgen zu können, sodass sie die Möglichkeit haben, zu produzieren und dadurch ihre Lage zu verbessern. 

Es verbessert ihre Lage, weil sie etwas Nutzvolles tun können; weil sie in ihrem handwerkliches Können fähiger werden und das auch erkennen; weil sie sich in der Gemeinschaft aufgehoben fühlen und verstanden fühlen; weil sie sich gegenseitig helfen können beim gemeinsamen Handwerken.
Wir, die ihnen Material und Aufmerksamkeit geben, wertschätzen sie, indem wir das tun, was wir tun – und Ihr alle tut mit dazu. Und sie spüren, dass sie uns wichtig sind.

Wir sammeln weiter Stoffe und Nähmaschinen

Außerdem sammeln wir auch weiterhin fortlaufend: elektrische Nähmaschinen und Stoffe (mindestens 50 cm, nicht elastisch, nicht transparent, etwas festere Qualität) sowie Nähzubehör (Gute Stoffscheren, Maßband, Bügeleisen, Nähgarne, Stecknadeln).
Wenn Sie etwas geben möchten, dann rufen Sie bitte unsere neue Telefonnumer an: 0157-37 05 75 99.

Wir suchen Menschen, die mitmachen wollen

Wegen der großen Nachfrage von immer mehr Frauen und Orten aus Bosnien wächst das Projekt. Unser Team braucht dringend Verstärkung: für das Sammeln, Sortieren und Verpacken der Güter, für Internet-Recherchen, Kommunikationen, für die Fahrten nach Bosnien, für die Stricktherapie und das Nähprojekt dort… Wenn Sie interessiert sind, uns zu helfen, dann rufen Sie uns einfach an.
 

Eins ist ganz elementar: Wir müssen das, was wir versprechen, halten

Das hilft den Frauen, sich von ihren Enttäuschungen Stück für Stück zu lösen, weil sie durch uns ein anderes Erleben bekommen.

Ich hoffe, ich bin Euch nicht lästig, wenn ich von Euch immer wieder Spenden will. Ich brauche Euch wirklich und die Menschen dort brauchen mich.

Meine Freunde der initiative-siglinde, die trotz Erkältung und Husten bei den dortigen Temperaturen mit mir vor Ort gearbeitet haben, grüßen Euch auch ganz herzlich, auch wenn sie immer noch einen dickem Schal um den Hals tragen.
 

Wir fahren wieder, noch im Februar.
 

ICH ZÄHLE AUF EUCH UND IHR KÖNNT AUF MICH ZÄHLEN - DASS WIR SAUBERE ARBEIT MACHEN.
 

Herzlich


Siglinde Anzenberger

Gründerin von initiative-siglinde

November 2016
 
zuerst ein großes Danke.


Mit Ihrer  Unterstützung ist es uns gelungen im Konvoi vom 29.10. - 5.11.2016 Neues zu bewegen. Zu unserem Strickprojekt gibt es jetzt zusätzlich ein Nähprojekt, das Nähen von Stofftaschen. Mit diesem Nähprojekt geben wir zum einen den Frauen die Möglichkeit ihre Fertigkeiten in einem anderen Handwerk auszuüben und zum anderen wollen wir einen Beitrag leisten den Plastikmüll zu verringern. 


Wir haben viele Stoffe und 4 Nähmaschinen mit Zubehör gespendet bekommen. In Sarajevo sind es 4 Frauen, in Prusac sind es 10 Frauen die sich 4 Nähmaschinen teilen, in Kozarac sind es 2 Frauen die sich im Nähprojekt einbringen. Im Januar 2017 werden wir in zwei neuen Orten tätig sein, sowohl mit dem Stricken als auch mit dem Nähen.
 
Das Strickprojekt erweitert sich. In Sarajevo sind zwei neue Frauen dazu gekommen. In Kozarac waren dieses mal insgesamt 40 Frauen dabei. Es findet viel Anklang bei den Frauen.

Zum Strickprojekt:


Das Stricken ist eine Art Therapie, die den Frauen hilft, wenn man die richtigen Schritte tut, sich mehr und mehr aus ihren Traumas zu lösen und Freude in der Gegenwart zu erleben. Wir stellen fest, dass sich die emotionale Lage der Frauen von mal zu mal verändert. Die Exaktheit der Strickprodukte hat zugenommen. Die Freude am Tun ist größer geworden. Die Ausdauer und die Konzentrationsfähigkeit ist wesentlich stärker. Sie sitzen in der Gemeinschaft, genießen es zusammen sein zu können und lassen sich wenig ablenken vom Stricken. Ihr Interesse neue Modelle, neue Muster zu lernen ist höher geworden.


Diese Veränderungen im Seelischen zeigen sich an den Strickprodukten. Daran kann man die Verbesserungen erkennen. Und ein wichtiger Punkt ist, dass sie selber merken das ihre Fähigkeiten wachsen, das sie immer besser mit den Materialien umgehen können und das der Wunsch in ihnen exakter zu arbeiten ausgeprägter wurde. Das Maschenbild wird gleichmäßiger, die Fäden sind sehr sauber vernäht, die Abkettmaschen haben eine gewisse Flexibilität.

Wir konnten wieder viele Produkte, wie Schals, Loops, Pulswärmer, Rundumjacken, Haussocken und Mützen mitnehmen. All diese Sachen werden ihre Liebhaber finden.
 
Helfen  Sie uns weiterhin das Leben dieser Frauen lebenswerter zu machen. Denn jede Veränderung mehr ins Leben hinein, wirkt sich auf naturgegebene Weise auf das nähere und das weitere Umfeld aus.
 
Im Januar 2017 werden wir in zwei weiteren Orten Strickschulen und das Nähprojekt gründen. Unterstützen Sie uns weiter. Wir brauchen für Januar weiteres Material (Wolle, Stoffe, Nadeln, Häkelnadeln, Garn, Nähfäden ..) und wir brauchen Spendengelder um den Konvoi finanzieren zu können. Mit Ihrer Hilfe schaffen wir es immer mehr Frauen aus der seelischen Dunkelheit zu führen.
 
Herzlich
Siglinde Anzenberger
Gründerin von initiative-siglinde


April 2016

Seit der Gründung der ersten Strickschule, an der 5 Frauen teilgenommen haben und dabei geblieben sind, ist diese am Wachsen. In Sarajevo sind es jetzt 10 Frauen, im Herbst werden weitere dazu kommen.  Die zweite Strickschule wurde im April 2016 in Prijedor gegründet.  In dieser nahmen 18 Frauen teil und alle wollen im Herbst 2016 wieder dabei sein.   Im Herbst werden wir zur bestehenden Strickschule ein dritte eröffnen, für diese haben sich bereits  20 neue Frauen angemeldet.  

Bei den Strickfrauen in Sarajevo nehme ich bei jedem Besuch Veränderungen wahr. Dieses mal waren diese Veränderungen noch  spürbarer.  Sie sagen selber, dass ihnen das Stricken hilft zu mehr Ruhe zu kommen, es beruhigt ihre Nerven, sie können sich jetzt besser konzentrieren. An den Stricksachen die sie produziert haben seit Oktober, an der Präzisheit, der Gleichmäßigkeit, der Genauigkeit und der eigenen Kreationen kann ich sehen, dass der Prozess der Veränderung in ihnen begonnen hat und die ersten Früchte trägt. Sie sehen selbst wie sie ihre Fähigkeiten gesteigert haben, wie es ihnen gelingt über einen längeren Zeitraum konzentriert zu arbeiten. Sie fühlen sich wertvoller. Sie haben mehr Lebensenergie zurück gewonnen. Freude und Zuversicht verbreiten sich.

In den gemeinsamen Tagen reden  wir viel miteinander. Was alles in der Zwischenzeit passiert ist, ob es ihnen schwer oder leicht gefallen ist die Sachen zu stricken.  Und woran es gelegen hat. Wir sprechen darüber ob sie etwas anders machen können oder müssen.  Und was ganz wichtig ist, das ich ihre gestrickten Sachen begutachte, und auf Fehler anschaue. Das erwarten sie mittlerweile von mir. Sie möchten nicht mehr, wie zu Beginn, das darüber hin weg gesehen wird.  Weil sie nun von sich aus  besser werden wollen, es ist ihr eigenes Wollen. Das ist ein wesentlicher Fortschritt. Ich bin berührt und begeistert von all dem.

In der neuen Strickschule  ging es erst mal darum festzustellen was können die Frauen im Stricken. Wenige  waren darin geübt, einige haben  seit 20 Jahren nicht mehr gestrickt und die Hälfte konnte nicht stricken. In kurzen Vorträgen habe ich  vermittelt worum es geht und worauf sie sich einlassen.  Sie haben geübt, sie haben sich angestrengt. Maschenanschlag, Gestricktes das Mängel hatte  wieder auflösen und neu beginnen bis es in einer Qualität ist, die es braucht und die auch gewünscht wird.  Und sie haben sich gegenseitig unterstützt. Diejenigen die stricken können haben es den Frauen beigebracht die es lernen wollen.  So ist ein Kreis aus Geben und Nehmen entstanden. Alle Frauen haben sich wohl gefühlt und sich nach den drei Tagen entschieden an der Strickschule teilzunehmen. Und es gab einen ganz wunderbaren Moment -  alle Frauen haben mitsammen für uns gesungen.  In dieser Region gab es seit dem Krieg keine humanitäre Unterstützung dieser Art. Umso wichtiger ist es nun stabil für die Frauen da zu sein und so die Zeit der Nichtbeachtung zu überwinden.

Für alle Teilnehmerinnen in beiden Strickschulen gab es dieses mal Mitgliederausweise. Auf diese haben sie ihre Namen geschrieben und unterschrieben.  Auch von mir wurden die  Ausweise unterschrieben und mit Stempel versehen. Dies ist ein wichtiger Punkt. Er zeugt von Dauerhaftigkeit, Zugehörigkeit und gibt Stabilität. Und ist Ausdruck von Wertschätzung.

All das gehört zum Gesundungsprozess und unterstützt den therapeutischen Ansatz in dem Projekt. Dieser besteht unter anderem darin, zeigen zu dürfen das man etwas kann und was man kann,  das stärkt den Glauben an sich. Zugeben zu dürfen das man etwas noch nicht kann und die Chance zu bekommen es zu lernen. Und zu entdecken das Lernen aus Üben besteht und es solange tun darf bis man weiß man kann es – ich darf mir die Zeit nehmen die ich brauche um es zu können. Mir wird geholfen die Stolpersteine des Aufgebens zu überwinden und so an mein Ziel zu kommen.

Ein Danke von Herzen

an Alle die uns auf diesem Weg begleiten und unterstützen und so zum Gelingen beitragen.

Was du willst das dir getan, das tue für andere“ – in diesem Sinne

Alles Gute

Siglinde Anzenberger


November 2015

Schon während der herzlichen Begrüßung wurde klar das es einen Nachholbedarf im Plaudern und sich Mitteilen bei den Frauen gibt. Das hat etwas meine Planung für den Tag durcheinander gebracht, aber dies hatte Priorität aus meinem Verständnis heraus.

Von den 10 Frauen die da waren, waren 2 neu. Beide haben bereits Strickkenntnisse. Was mich immer wieder verblüfft, dass es nicht lange dauert dann sind die Neuen in die bereits bestehende Gruppe aufgenommen.

Es wurde die Bitte an uns rangetragen ob wir den Frauen nicht ein Tagesgeld von 10 KM geben können, für den Bus und die Verpflegung. Dem haben wir zugestimmt.Nach der Aufforderung zu erzählen wie es ihnen mit dem Stricken ergangen ist, was gut gelungen ist, wo es Schwierigkeiten gab, hat jede Frau berichtet. Eine Frau hat erzählt sie hatte den Sommer über mit Bluthochdruck zu kämpfen, deshalb hat sie weniger machen können. Auch war es für sie nicht leicht, weil die Wolle sehr dünn war. Andere Frauen sagten, dass sie auch nicht soviel machen konnten weil sie mit Feldarbeit beschäftigt waren. Und eine Frau hatte viele Arzttermine, deshalb hat sie wenig dabei.  Für eine Frau hat sich herausgestellt, dass die Nadelstärke zu dick war. Einige Frauen haben berichtet, dass das Stricken ihnen hilft zur Ruhe zu kommen. Und dann müssen sie keine Medikamente nehmen.

Es war zu spüren, das sie alle die Befürchtung hatten sie würden dafür gerügt. Ich habe ihnen eklärt, dass es nicht um Quantität geht bei unserem Tun, sondern darum das sie in ihrerm Ermessen stricken und das es um Exaktheit geht im Tun.


Bemerkenswert war für mich zu sehen das es unter ihnen weder Neid noch "es besser können müssen" gibt. Vielmehr interessieren sich sich für die anderen und wünschen sich das es allen gut geht.

Interessant war für mich zu erleben wie eine der Frauen mir ihre Pulswärmer zeigte und ich sie korrigieren musste, weil sie ungleichmäßig zusammen genäht waren. Ihr Vorschlag war, sie könne ja drüber häkeln dann würde man es nicht mehr sehen. Worauf hin ich meinte, ob das dann präzise arbeiten ist? Das verneinte sie zwar, aber dennoch wäre das doch eine Lösung. Ich fragte sie dann nach ihrer Richtigkeit, will sie lernen ganz präzise zu arbeiten oder irgendwie passt es schon. Nach einigem Zögern, sagte sie "Nein, sie möchte schon präzise arbeiten". Darauf hin sagte ich zu ihr, sie könne entscheiden was sie nun mit den Pulswärmern macht.

Am nächsten Tag brachte sie die korrigierten Pulswärmer mit strahlendem Gesicht wieder mit.

Feststellen konnten wir, dass sich die Frauen sehr gefreut haben und wieder zu sehen. Es war zu spüren, dass ihr Vertrauen in uns zunimmt und das sich wahrgenommen und wert geschätzt fühlen. Schon wie sie angekommen sind wirkte ihre Stimmung anders, weniger bedrückt, heiterer.

Bei dem Vortrag mit Diskussion, wo ich auch nochmal darüber sprach worum es in dem Projekt geht, was ist der Zweck, kam es zu mehr Verstehen zum Projekt und warum es schwierig sein kann etwas zu lernen, eine Fähigkeit zu erhöhen und warum Fehler passieren.  Es ging auch darum was passiert in einem bei einem Konflikt, wodurch kommt dieser überhaupt zustande. Wieso entsteht dabei Anspannung bis hin zu Kopfschmerzen. Und welche Möglichkeiten hat jede Frau damit umzugehen.

Dabei erzählten die Frauen aus ihrem Leben, was sie sich vorgenommen hatten und haben und wie es ihnen gelang oder eben nicht gelang das Gewünschte zu erreichen und umzusetzen. Wir sprachen darüber wie sie sich dabei fühlten wenn es ihnen gelungen ist und wenn es ihnen nicht gelungen ist. Und welche Gedanken und Gefühle sie dabei hatten. Es war schön zu sehen, wie sie auf ihr Leben schauten und dann Beispiele erzählt haben, wodurch der Unterschied mehr in ihr Bewusstsein kam.

Am Beispiel "Ich rede und gestikuliere und gehe und falle fast über einen Stuhl", und beschimpfe dann den Stuhl "blöder Stuhl" zeigte sich, dass nicht der Stuhl für mein Missgeschick verantwortlich ist, sondern WER? Die Antwort aus dem Publikum war "Natürlich bist du schuld, weil du hast ja nicht aufgepasst" und dabei gab es sehr viel Lachen. 

Durch dieses einfache Beispiel kam Bewegung in ihre Sichtweisen und gewohnten Gedankengänge.

Priorität in dem Projekt hat ihre Hinein Entwickeln in "immer mehr auf eigenen Beinen stehen", an zweiter Stelle ist das Geld verdienen. Weil wenn ersteres zunimmt, nimmt zweiteres automatisch auch zu.

Die Erklärung das wir kein Wirtschaftsunternehmen sind, sondern ein Projekt bei dem die Gesundung im Vordergrund steht, und demzufolge nicht nur das erzeugte Produkt zählt, sondern das bei uns der therapeutische Erfolg zählt hat ihnen eingeleuchtet.

Zu dem Vortrag mit Diskussion möchte ich noch erwähnen das ich die Frauen bewundert habe für ihr Durchhaltevermögen, ihre Aufmerksamkeit und ihre Bereitschaft und Offenheit sich mit dem Gehörten, den neuen Sichtweisen auseinanderzusetzen. Auch die Bereitschaft und ihr Interesse sich mit den Fehlern zu beschäftigen ging mir zu Herzen.  Sie haben die meisten Fehler erkannt und herausgefunden woran es lag. Toll.

Dies ist ein weiteres Zeichen von Gesundung - sich Fehlern zu stellen, sie zu betrachten und in die Verantwortung zu gehen und sich einzugestehen das es an der eigenen Unaufmerksamkeit lag und nicht an irgendwelchen Umständen.

Dieses zu leben, bedeutet den Boden für ihr Vertrauen und das daraus resultierende Wachsen können. Auf einem Boden von Misstrauen kann kein gesundes Wachstum, keine stabile Entwicklung statt finden, weil man sich nicht wirklich aufeinander einlassen kann und mag.

Die Frauen haben wieder Wolle für weitere Strickwaren mit nach Hause genommen, jede soviel sie wollte und für das was sie stricken möchte. Es werden wieder dieselben Produkte hergestellt, zusätzlich gibt es ein neu erlerntes Muster für die Schals.

Die Abschlussrunde hat uns sehr berührt, weil sehr viel Dankbarkeit geäußert wurde für die Wertschätzung ihnen gegenüber, in Form von Ehrlichkeit, Kritik die ihnen hilft, Erinnern an ihre moralischen Werte und unser Zutrauen in sie. Das Gemeinschaftsgefühl (über alle Grenzen) hat zugenommen. Dieses zu erhalten und zu vermehren ist für uns eine menschliche Verpflichtung aus dem Herzen.

Außerdem fand noch ein Besuch bei einem Imam und seiner Frau statt. Beide haben großes Interesse bekundet das in ihrem Dorf und zwei weiteren Orten Strickschulen eröffnet werden. In den zwei Orten gibt es bislang keinerlei Unterstützung und Hilfe für die Frauen seit dem Ende des Krieges.

Denn eines ist klar, egal ob alt oder jung ..., das Gefühl gebraucht zu werden ist für jeden Menschen ein Lebenselixier, für diese Frauen aber ganz besonders.

Es ist ein wunderbares Projekt, wo sich alle Menschen die sich daran beteiligen näher kommen, mehr sich in einer Gemeinschaft fühlen dürfen und verantwortlich füreinander sind und werden (wie jeder kann und mag).

Ich danke Allen sehr, dass sie dieses Projekt unterstützen und durch ihre Spenden diese echte Entwicklung ermöglichen.

Siglinde Anzenberger

Begründerin und Projektleitung


März 2015

Letztes Jahr im März war ich mit einer Freundin für eine Woche in Sarajevo, um den Frauen Strickmodelle zu zeigen, die sie in der Zeit bis zum nächsten Treffen anfertigen können. Für diese Modelle braucht es vor allem die Fähigkeit und Fertigkeit, gleichmäßig zu stricken. Allein für diesen Schritt brauchte es mehr Zeit als ich gedacht habe. Beim Üben kamen schon die ersten Stolpersteine, die es zu überwinden galt. Was wir mit vereinten Kräften geschafft haben.

Mir war der Umstand nicht in der Größenordnung bewusst, wie anstrengend es für die Frauen sein kann, konzentriert bei der Sache zu bleiben. Und wie ungut es ist, einen Fehler zu erkennen, alles wieder zerstören zu müssen und von Neuem damit zu beginnen. Am Anfang war es so, dass die Frauen die Fehler nicht erkennen konnten oder wollten. Am Ende war es so, dass sie selber gesehen und verstanden haben, dass jeder Fehler passiert ist, weil sie mit ihren Gedanken woanders waren. Sie haben in sich die Bereitschaft entwickelt, Fehler zu erkennen und diese zu beheben und nicht mehr darüber hinwegzusehen. Eine Frau sagte am Ende ganz stolz zu mir: „Wenn du wiederkommst, wirst du keinen einzigen Fehler entdecken!“ Was uns auch bewusst wurde: dass jede Frau ihre Pause nehmen muss, so oft und so lange, wie sie das braucht. Ansonsten entsteht ein zu großer Druck auf sie, die Spannung wird zu hoch.

Was uns dabei sehr ergriffen hat, sind der Lernwille und die gegenseitige Unterstützung der Frauen. Und wie sehr sie sich bemüht haben, das Ergebnis, das verlangt wurde, zu erzielen. Am Ende hatten sie es alle geschafft. Und es war zu spüren, wie stolz sie auf sich waren. Mit Recht. 



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