Initiative Siglinde

Ein Strickprojekt in Bosnien-Herzegowina, um die Lebensqualität von Frauen,                                                                                                            die dort durch den Krieg viel verloren haben, wieder zu entfalten

Projektberichte

 

Konvoi-Bericht: Hilfe für Frauen in Bosnien

 

 

April 2017
 

An alle, die uns helfen und unterstützen, dass sich unsere Vision immer mehr ins Leben bewegt - ein Danke von Herzen.
 
Das waren unsere Aufgaben für den Konvoi im April:

* Mit den Frauen der Strickschule in Sarajevo Zeit verbringen, um das Stricken der neuen Fellbommelmützen und der Stirnbänder nachzuholen. Dies kam auf unserem letzten Konvoi zu kurz, weil durch durch die nicht eingeplanten Abwicklung der Zollformalitäten drei Tage verloren hatten.

* Ihre fertigen Strickprodukte auf Qualität kontrollieren.

* Das neu erarbeitete Modell der 5 Ebenen in der Stricktherapie vorstellen.

* Stoffe (7 Bananenkisten) übergeben, da die letztes Mal mitgebrachten Stoffe noch nicht nach Sarajevo transportiert werden konnten.

* Mit der Gruppe im zweiten Ort, wo Taschen genäht werden, Zeit verbringen und uns näher kennenlernen, weil das bei unserem letzten Konvoi auch zu kurz kam.

* Fotos von allen Frauen machen für eine Ausstellung und um ein Buch entstehen zu lassen.

Wir haben alle unsere Konvoiziele erreicht

Auf diesem Konvoi wurde ich begleitet, unterstützt und ergänzt von zwei Frauen, Monika und Birgit, die das erste Mal mitfuhren. Monika ist eine große Hilfe hier in Deutschland. Sie sortiert die gespendete Wolle, hilft bei der großen Stoff-Abholaktion im März und ist beim Stoffe-Zuschneiden für den Transport nach Bosnien aktiv. Nebenbei macht sie auch noch Apfelstrudel für alle, die an dieser Aktion teilnehmen. Sie ist mit ihrem großen Interesse an den Frauen und deren Alltag eine wunderbare Assistentin, hier und in Bosnien.

Birgit ist Malerin und Kunsttherapeutin. Von ihr stammt die Idee mit den Porträtfotos. Dabei geht es um "gesehen werden" - die Frauen mit ihrem Schicksal und Trauma aus dem Vergessen ins Bewusstsein der Menschen zu holen. Daran zu erinnern, dass diese Menschen ein Recht darauf haben, ein würdevolles Leben zu leben. Ihnen wieder einen Platz in der Gemeinschaft der Welt zu geben.
Das Ignorieren hat lange genug gedauert und muss aufhören. Anstatt dessen braucht es Anteilnahme und ein Auseinander-setzen mit dem Thema.
Um diese Fotos machen zu können, wurden alle Frauen gefragt, ob sie fotografiert werden möchten, ob sie damit einverstanden sind, wenn diese Fotos in einer Ausstellung gezeigt und in einem Buch verwendet werden. Alle Frauen waren sofort damit einverstanden.  Birgit hat das Fotografieren auf sehr einfühlsame Weise  umgesetzt, die Frauen durften sich zeigen. Ein bewegendes Ergebnis.

Jede Frau wird ein Foto bekommen, und zwar das, welches ihr am besten gefallen hat.

Gastfreundschaft ist immer noch ein hoher Wert in Bosnien. Und so wurden wir auch am zweiten Ort, in der Nähe von Donji Vakuf, herzlich empfangen und aufs Köstlichste mit Selbstgemachtem bewirtet. Wir konnten damit auch das Versprechen einlösen, dass wir Zeit für sie haben, um uns kennenzulernen. Dieses Miteinandersein ist ein wichtiges Element, denn es drückt aus, dass die Frauen uns etwas bedeuten.

Am Schluss unseres Treffens haben sie uns noch die fertig genähten Taschen gezeigt und gefragt, ob diese gut sind. Die in der Gemeinschaft produzierten Taschen sind sehr gut genäht und in geschmackvollen Farbkombinationen zusammengestellt.

Jetzt im Sommer bis in den Spätherbst hinein werden die Frauen nicht ganz so viel Zeit fürs Taschennähen zur Verfügung haben, weil sie mit Garten- und Feldarbeit beschäftigt sind.

Taschen-Projekt „Stoff statt Plastik“
An diesem Projekt nehmen kriegstraumatisierte Frauen teil. Manche von Ihnen waren selber waren in Konzentrationslagern, oder Mitglieder aus ihren Familien.

Mit diesem Projekt unterstützen wir die internationale Kampagne "Stoff statt Plastik".

Stoffe, Nähmaschinen und alles, was es sonst noch braucht zum Taschennähen, wird von der Initiative Siglinde gesammelt, sortiert, verpackt, nach Bosnien transportiert und dort den Frauen als Geschenk übergeben. Sie dürfen damit machen, was sie wollen.

Den Vertrieb der Taschen übernehmen Firmen,  die den Frauen die Taschen abkaufen und aus Bosnien importieren.
  
Das Modell der 5 Ebenen in der Stricktherapie
 
Jede Frau ist in unterschiedlichen körperlichen und psychischen Zuständen, und den besten Erfolg gibt es, wenn sie dort gefördert wird, wo es am meisten gebraucht und gewünscht wird:
 
Ebene 1 und Ebene 2 umfassen therapeutische Schritte, Körperarbeit in der Gemeinschaft, als nächstes Handwerken um zu üben, dadurch entsteht mehr Aufmerksamkeit für die Gegenwart und mehr Zuversicht und Selbstvertrauen.
Ebene 3 ist eine Lern-Ebene. Hier wird das Handwerk ausgeübt, um Qualität zu erzeugen und die erhöhte Bereitschaft für fachliches Können. Daraus entstehen schöne, brauchbare Produkte, und es erwächst eine vermehrte Verantwortung für das eigene Können.
Ebene 4 ist die Profi-Ebene. Jetzt werden Produkte mit höherem Schwierigkeitsgrad gelehrt und hergestellt. Es entstehen professionelle Produkte, die vom Markt sehr gut angenommen werden.
Ebene 5 bedeutet, eine selbstständige Geschäftsfrau zu sein (für die Frauen, die das wünschen). Hier werden Grundlagen des Handels und der Marktwirtschaft gelehrt und begriffen, sodass die eigene Existenz aufgebaut und stabilisiert werden kann.
Es war wieder deutlich zu spüren: Wir sind die Hoffnung für diese Frauen. 

Dazu brauchen wir auch weiterhin Eure Unterstützung und Anteilnahme:

- Wir sammeln fortlaufend Stoffe (geeignet zum Taschennähen), Nähmaschinen, Wolle und Zubehör
- Helft uns beim Sammeln und Sortieren der Güter
- Begleitet uns auf den Fahrten nach Bosnien
- Damit das Projekt langfristig gesichert ist, sind wir dankbar für jede finanzielle Zuwendung.

In diesem Konvoibericht möchte ich Euch/Ihnen noch zwei Dinge mitteilen:

Eine der Grundlagen unseres Arbeitens mit den Frauen in Bosnien/Herzegowina findet ihr auf der homepage meiner Firma SiTa - Consulting. Wir möchten Eure Aufmerksamkeit auf einen Artikel lenken, den Ihr auf dieser findet, der Titel lautet:

"Auszüge aus der Anatomie eines Traumas" und das Schneiderprojekt für die ehemaligen KZ - Insassen.

Der Inhalt dieses Artikels ist der Kern des Projekts. Die Funktion ist eine einzigartige Chance, um durch das Programm Stricken und Nähen das Wohlbefinden der Teilnehmer zu fördern.

Ich würde gerne hören was Ihr/Sie dazu sagt. Und ich freue mich wenn Ihr mir Eure persönliche Meinung zu diesem Artikel schreibt. 

der Link ist:

http://www.sita-consulting/Buecher/Fachartikel/
Und in meiner Gruppe ist ein Buch entstanden, dass auch mit unserer Arbeit zu tun hat. Es heißt "Von der Vision zur Wirklichkeit" und ist ein Werkzeug wie jemand der Etwas vorhat von A nach B kommt.

Wenn Ihr/Sie keine mails mehr erhalten möchtet, bitte melden.


Herzliche Grüße
 

Siglinde Anzenberger

Gründerin der Initiative Siglinde


Februar  2017


Liebe Konvoi-Freunde,

dieser Konvoi gestaltete sich etwas herausfordernder als die bisherigen. Die Beanspruchungen waren höher. Deshalb lassen wir Euch, liebe Spender und Freunde der „Initiative Siglinde“, den Ablauf so genau wie möglich zukommen, damit Ihr ein gutes Verstehen erlangt, was lief. 

Als Erstes nochmal ein Blick auf unsere Aufgabe. Es leben aus dem letzten Krieg, der 1995 endete, von 250.000 Insassen der Konzentrationslager noch ca. 100.000 in Bosnien-Herzegowina. Der Rest ist verstorben, ausgewandert oder vermisst. 

Diese 100.000 sind unsere Zielgruppe. Da sie meistens auch schon älter sind, ist Eile geboten, da sie sonst wegsterben. Unsere Aufgabe: 

 

Durch therapeutisch geführtes Handwerken den Menschen einen Bezug zur Gegenwart ermöglichen (andere Therapien haben weitestgehend versagt, da für die Schwere des Traumas oftmals nicht verwendbar) und ihnen somit die Möglichkeit zu geben, ihr Leben wieder aufbauen zu können, ohne dass die Schrecken des Folter- und KZ-Traumas auf sie wirken – was sonst im Moment so nicht möglich ist. Es ist deshalb nicht möglich, weil das Erlebte zu schwer war, als dass es verarbeitet werden könnte. Eine „ethnische Säuberung“, also der Versuch, ein Volk auszulöschen, geht nun mal nicht mit Samthandschuhen, sondern nur mit Folter, Umerziehung unter Pein und Vergewaltigung der Frauen, um die nächste Generation ebenfalls zu vernichten. 

Das, was wirklich funktioniert, ist Arbeiten, Handwerken. Wobei das Handwerken in erster Linie nicht des Gelderwerbs wegen gemacht wird, sindern weil dadurch gezielt die Aufmerksamkeit in die Gegenwart gelenkt wird und die Frau so beginnen kann, sich aus dem Schrecken des Traumas zu befreien. Die Folge ist eine Wahrnehmung von „hier und jetzt“, was dann zur Möglichkeit des Gestaltens führt; Dann wird nicht bei jeder Vorwärtsbewegung im Leben die Idee “Du bist nichts, du sollst nicht sein!“ als Gedanke auftauchen, der unter Pein verabreicht wurde, auch die dazugehörigen Psychosomatiken, die dann zu körperlichen Schwierigkeiten führen können, würden sich nicht wieder aktivieren.

 

Also, das ist die Aufgabe, die wir in der „Initiative Siglinde“ angenommen haben, und diese werden wir erfüllen! 


Dazu machen wir regelmäßige Konvois mit den verschiedenen Zwecken, um dieses Programm voranzubringen.


Aufgabe dieses Konvois: 

80 Kisten Stoffe und ca. 10 Kisten Strickmaterial iin 7 Orten und Städten in Bosnien auszuliefern.

Vorbereitung: 

Wir sammeln über zwei bis drei Monate hinweg Stoffe, Wolle und Zubehör. Wir holen selbst und mit unseren Partnern die Stoffe bei den Sammelstellen in Bayern ab, oder sie werden uns von den Sammelstellen gebracht. Dann sortieren wir das fürs Projekt Brauchbare vom aktuell nicht Brauchbaren aus und bereiten alles für die Reise vor. 
Parallel dazu machen wir die notwendigen, vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Papiere fertig. Ständig laufen Kommunikationen per Mail mit unseren bosnischen Partnern. Wir koordinieren die Anlieferung der Spendengüter – ebenso eine Aktion über mehrere Wochen.

Schwierigkeiten: 

Ein wesentlicher Partner bekommt eine Lungenentzündung, ein anderer eine Grippe.  Alles in den Zeiten kurz vor der Abfahrt. Die Durchführung steht in Frage. Außerdem müssen wir wegen der großen Kistenmenge einen Sprinter-Wagen mieten. Dieser kostet 750,00 Euro, die waren nicht eingeplant. Die Finanzen dafür sind nicht da. Wieder steht die Durchführung in Frage. 

Aber: Wie es oft in solchen Situationen so ist, passiert auch das Gute. Von bekommen von zwei Spendern zusammen 1000,00 Euro, und so können wir den Sprinter zahlen. Da wir alle berufstätig sind, würden wir, wenn wir den Konvoi nicht absagen wollen, aus der eigenen Tasche zahlen – was wir oft machen, wenn wir eben nicht genug Spenden hereinbekommen.


Donnerstag, 23. Februar

Das Beladen

 

Die Beladung beginnt. Teilweise sind die Akteure gesundheitlich noch nicht hundertprozentig fit. Aber das Projekt hat begonnen. Hunderte Leute warten auf uns. Etwa 12 Vereine in Bosnien warten auf die Gaben. 

Und: ein Versprechen darf man nicht brechen. Schon gar nicht mit Menschen, die so etwas erleben mussten wie diese bosnischen Menschen. 


Die Abfahrt

 

Am 23. Februar von München nach Graz in Österreich, dort übernachen. Alle sehr müde. Günstigstes Hotel. Einigermaßen gut geschlafen. Husterei ist Dauerthema. Moral gut! 


Freitag, 24. Februar

Weiter an die Grenze zu Bosnien-Herzegowina nach Gradiska. Ankunft um 13.00 Uhr. Hiobsbotschaft: Wir sind überladen und können die Güter nicht wie vorbereitet als Geschenke einführen. Wir verhandeln bis 21.00 Uhr abends. Zig telefonate übers deutsche Handy. Die Kosten steigen. Keine Lösung. Wir verzollen, und das über eine Spedition. Kein Weg, das hinzukriegen.

Übernachtung im Jugendhotel für 15,00 Euro pro Nacht (die einzig verfügbare Möglichkeit). Über einen Kontakt in Sarajevo kommen Freunde, auch ein Polizist, zur Grenze und versuchen, uns durchzubekommen – nichts geht. 
Abendessen in der Jugendherberge: Mitgebrachte selbstgemachte Fleischpflanzerl und hartgekochte Eier sind das Abendbrot. Es regnet seit Stunden in Strömen. Kälte. Etwas nass geworden, planen wir den ganzen Konvoi um, da wir wissen, dass der Zeitplan überhaupt nicht haltbar ist. Außerdem machen wir eine Worst-Case-Analyse, die sieht allerdings nicht gut aus. Final wissen wir nicht, ob wir unter den gegebenen Umständen überhaupt einreisen können. In die EU zurückfahren geht übrigens auch nicht. Na ja, ganz schöne Lage – aber: Moral sehr gut. Wir sind zuversichtlich. 

Samstag, 25. Februar


Den ganzen Vormittag verhandeln wir mit Zoll, Speditionen, befreundeten Partnern und so weiter. Dann endlich weg von der Grenze – aber nicht in unsere Zielgebiete, sondern in eine andere Stadt, wo der Wagen (der mittlerweile verplombt wurde) entzollt werden darf. 
Es ist mittlerweile aber klar geworden, dass vor Montag mittags nichts gehen wird, da am Wochenende, in das wir hineingeraten sind, die Zollämter nicht arbeiten. 
Unser Back Office in Deutschland (eine Gruppe von Leuten, die schichtweise 24 Stunden wachen, ob der Konvoi etwas braucht, zum Beispiel Botschaftskontakte, Versorgungen usw.) leistet an diesem Tag hervorragende Arbeit und hilft uns sehr. 

Neuer Plan:

Unter Anbetracht, dass wir wissen, dass der gemietete Sprinter 100,00 Euro pro Tag kosten wird und am Dienstag Abgabetermin in Bayern ist, planen wir, wie in der Vornacht begonnen, weiter um – da ja nun der Rest bekannt ist, dass am Montag die Entzollung stattfindet.
Also: Eine Gruppe fährt zu den ersten beiden Städten, also zu den wartenden 20 Menschen in der ersten Stadt und den 50 Wartenden in der zweiten Stadt. Die zweite Gruppe fährt zum Entzollen quer durch Bosnien. Wir sind an der Grenze, und die Entzollung ist etwa 300 Kilometer entfernt. Los geht’s – endlich! 

Sonntag, 26. Februar

Gruppe 1 erledigt alles, Gruppe 2 ebenso – alles planmäßig. Jedoch haben wir wegen der Zeitverschiebung nicht die Gelegenheit, die Supervision unserer Projekte ausführlich machen zu können. Wir geben zwar die Güter ab, und das ist das Wichtigste. Aber unsere sonstige Qualität wurde nicht erbracht: genaues, liebevolles Zusammensein mit diesen Menschen und deren Erfolg mit Interesse begleiten sowie ihnen helfen, ihre Form zu finden … Wir werden dies in einer Reise im April nachholen und alles auf Stand bringen. Per E-Mail haben wir dafür alles schon vorbereitet. Alles ist geregelt dafür. 

Es ist kein Schaden entstanden. Aber heikel war es dennoch, weil die Leute einfach ein hohes Niveau gewohnt sind.

Gruppe 1 hat im Norden von Bosnien noch die Herausforderung, dass eine Gruppe von Strickerinnen aus dem Programm aussteigen will. Die Frauen sind aufgestachelt worden (sie sollten doch mehr Geld bekommen …). Auch erkennen wir, dass hier Fremdeinfluss, unguter Fremdeinfluss herrscht. Wir bringen die Sache zügig in Ordnung. Am Ende Gelächter, Spaß. Dennoch wissen wir auch, dass der Erfolg Neider hervorrufen kann. Und dass die Betroffenen eine größere Unterstützung unsererseits benötigen. 

Montag, 27. Februar

Gruppe 1 fährt von Nordbosnien nach Prusac und vereinigt sich mit Gruppe 2, die gegen 14.00 Uhr aus dem Zoll entlassen wurde – 4 Tage später als geplant!!!Nach dem Zusammentreffen geht es zügig durch alle Städte in der Gegend von Travnik. Alles an Gütern wird zügig ausgeladen, die Anspannung ist nicht unerheblich. Danach geht es in die Autos und in derselben Nacht noch 300 km nach Nordbosnien und dort an Vertreter von 9 Vereinen die versprochenen Güter ausgehändigt. Arbeit bis spät in die Nacht. Alle Frauen sind sehr glücklich. Wir selber sind etwas durchgefroren, müde, aber auch zufrieden. Schnell ins Bett.

Dienstag, 28. Februar

Am Morgen arbeiten wir noch Vertreter einer Gruppe im Norden in die Stricktechnik ein, danach am Stück nach München zurück. Auto auspacken – Sprinter zurückgeben – nach Hause – schlafen. 

Ergebnis: 

- Zollformalitäten und Speditionswesen für den nächsten Konvoi ermittelt
- 80 Kisten Stoffe ausgeliefert an 8 Städte und unsere Frauen im Projekt
- 12 Nähmaschinen ausgeliefert
- 20 Bügeleisen ausgeliefert
- 10 Kisten und einige Tüten Wolle ausgeliefert
- In Sarajevo begonnen, die Gruppe einzuweisen
- In Kozarac die Gruppe eingewiesen
- eine weitere Gruppe im Norden eingewiesen
- 12 Vereine ins Projekt aufgenommen
- alle geplanten Stellen angefahren und Güter ausgeliefert
- keine Verluste an Material oder sonstigem
- sparsamst gewirtschaftet mit Geldern.
- Trotz Spenden mussten wir 1.300,00 Euro dazuschießen aus Privatbeständen.
- Ca. 3000 Kilometer gefahren. Alles störungsfrei.

An dieser Stelle danken wir …

… allen Konvoifahrern, Helfern, Spendern, Unterstützern, Autovermietern, bosnischen Repräsentanten der Orte, Projektleitern.

In alle dem Wirrwarr, das sich momentan in der Welt abspielt, ist es für uns nicht selbstverständlich, dass Ihr uns und damit diesen Menschen helft. 
Wir haben selbst gesehen, mit welchen schnellen Fortschritten die Frauen in die Eigenbestimmung hineinwachsen, wie sehr sie sich verbessern, was dieses Projekt an Hoffnung und Dynamik auslöst.

Siglindes Wahrnehmung der Frauen und ihrer Entwicklung

- Bemerkenswert war für mich zu sehen, wie sich die Frauen in mehr Kreativität hineinbewegen. Sie brauchen immer weniger Vorgaben und Vorlagen. Sie sind in der Lage, sich immer mehr vorzustellen, wie ein Strickwerk nach ihrem Ermessen auszuschauen hat. Es gelingt also immer besser, in komplexeren Strukturen zu überlegen und dies auch umsetzen zu können.

- Die Freude, dass sie etwas erschaffen und schaffen können, etwas Nutzvolles herstellen, was gebraucht wird, ist in ihren Gesichtern zu sehen.

- Die Exaktheit steigert sich immer mehr.

- Das Trauen, sich etwas zu wünschen, kommt immer mehr zum Vorschein. Und auch das Trauen, eigene Vorschläge und Ideen einzubringen.

- Die Stimmung der Frauen, wenn sie kommen, wird immer entspannter.

- Sie werden offener.

- Es kristallisieren sich die Stärken der einzelnen immer mehr heraus, und darauf wollen wir aufbauen. Denn am besten wächst jemand, wenn ihm etwas immer besser gelingt.

- Und das, was mich am allermeisten freut und auch begeistert. ist: Ihre Dankbarkeit, ihr Wille zum Lernen, der Wille, den Herausforderungen, die ihnen auf dem Weg des Lernens erscheinen, zu begegnen, ihr Vertrauen in uns und in sich nimmt zu, ihr Einlassen auf Neues. Ich bin stolz auf sie, auf ihr Durchhaltevermögen, ihr Dranbleiben, ihr Zueinanderhalten in der Gemeinschaft und dass, wenn ich etwas entdecke, was nicht dem entspricht,was sein soll, sie diese Korrektur annehmen, sogar danach verlangen. 

- Diesmal war die Zeit zu wenig, um mir ihre Strickwerke genau anzuschauen und sie angemessen zu würdigen, das war ein kleiner Wermutstropfen - aber das wird nachgeholt. Denn es ist ein wichtiger Bestandteil unserer Zusammenarbeit. Und die Frauen warten schon darauf.

- Auch die Einweisung in die neuen Modelle, die wir machen werden (Fellbommelmützen und Stirnbänder), kam etwas zu kurz. Aber allein anhand der Fotos, die sie gesehen haben, werden sie wunderbare Sachen herstellen und sich alles, was sie dazu brauchen, selbst erarbeiten - welch Fortschritt!!!

- Was sich auch klar gezeigt hat, sie brauchen uns und sie brauchen Aufmerksamkeit in Form von mehr Zeit, die wir miteinander verbringen. Wie Pflanzen, die können auch immer wieder ohne einen auskommen, aber sie brauchen auch, dass man sich um sie kümmert, sonst verkümmern sie.

- Und nachdem wir jetzt auch das Taschen-Nähen als zweite Säule des Programms anbieten, haben sie eine weitere Möglichkeit, sich zu entfalten. Zu sehen, mit welcher Liebe sie diese gemacht haben, wie sie die Stoffe ausgesucht haben, ist ergreifend. 

Die Belohnung aus unserer Arbeit ist: die Werte, die durch das therapeutische Handwerken wieder ins Leben gerufen werden (Stricken und Nähen ist das Werkzeug, mit dem die Frauen sich die Werte wieder erarbeiten) bei jeder einzelnen Frau, das trägt bei zu ihrer Gesundwerdung. Und je gesünder ein Mensch ist, umso mehr kann er wieder anderen helfen. Und somit werden die, denen wir helfen, zu Helfenden.

Danke!

                        

Es ist ein gangbarer Weg

Es ist machbar, das zu tun. Es gibt Ergebnisse. Niemand sagt, dass es nur easy und leicht ist. Nein. Es ist Knochenarbeit und es ist viel Liebe und Hingabe im Einsatz – und ein von allen getragener Wunsch, dass wir dieses Projektziel schaffen, alle verbliebenen 100.000 Menschen in eine verbesserte Lebenslage zu bringen.

 

Und nun ist es an der Zeit, Ihnen/Euch, die Ihr die Aufmerksamkeit aufbringt, diese Zeilen zu lesen und uns zu helfen, zu sagen: dass es ohne Euch nicht geht – nur mit Euch! Es ist wichtig, dass Ihr uns versteht, dass Ihr an uns denkt, dass Ihr uns alles Gute wünscht, dass Ihr uns finanziell unterstützt, beim Sortieren und Verladen helft, Euch meldet zum Mitmachen, Projektpaten werdet (und 15,00 Euro im Monat investiert) – und einfach an uns glaubt!  Die Menschen dort glauben an uns - wir haben sie nicht enttäuscht und werden es auch nicht tun.

Viele Grüße

Euer Team von Initiative Siglinde 


PS.

Unsere neue Telefonnummer: 0157-37 05 75 99 

Hier zum Abschluss eine Nachricht von Jasmina, eine der Frauen in Bosnien, die am Projekt teilnimmt. Am 11. März 2017 schickte sie uns diese Mail:

“Hallo ...


Ihr Lieben aus der Initiative Siglinde,

sehr froh bin ich, dass Ihr ohne Probleme wieder zu Hause angekommen seid.

Zudem tut es mir leid, dass Ihr an unserem Zoll Schwierigkeiten hattet.

Aber das ist jetzt hinter Euch und wir hoffen, dass es beim nächsten Mal viel einfacher sein wird.


Ihr macht die richtige Sache für unsere Frauen, die Euch wirklich, wirklich dankbar sind.

Wir sind noch unter dem Eindruck vom letzten Mal, und unsere fleißigen Frauen arbeiten sehr viel, damit Sie ihren Teil der Arbeit qualitativ noch besser machen können.


DANKE EUCH ALLEN,

dass Ihr einen Sinn in unsere Leben bringt und zeigt, dass es in dieser komischen Welt Menschen gibt, die an andere Menschen denken und ihnen Gutes tun. 

Vielleicht habt Ihr auch im Gespräch mit unseren Frauen bemerkt, dass sie auch nach 20 Jahren noch sehr enttäuscht von der Gesellschaft im Globalen sind. Sie fühlen sich sehr zurückgestellt, besonders in ruralen Gebieten.

Sie sind von ihrem Land enttäuscht, denn viele, die arbeiten können und auch Qualifikationen haben, können keinen Arbeitsplatz bekommen, für den sie eine Ausbildung haben.

Von tieferen Gefühlen bei ihnen möchte ich jetzt nicht sprechen und Sie auch damit nicht langweilen, aber ich meine, Sie sollten auch etwas von uns wissen.

Und dann kamen in all dies – Sie. Mit Hoffnung und Unterstützung, damit nicht alles verloren ist.

Damit eben diese Frauen anders von sich und der Umgebung denken.

DANKE IHNEN in ihrem und in meinem Namen

Hinzufügen möchte ich noch, dass ich Ihre Mail nach Sanski Most weitergeleitet habe.

Nun wünsche ich ein angenehmes Wochenende – und wir sehen uns im Mai …

Liebe Grüße aus Prijedor

Jasmina“


Januar 2017
 
Liebe Spender/innen, Helfer/innen und Unterstützer/innen,
 

ein sehr herzliches Danke an Euch alle.  Mit eurer Unterstützung ist es uns gelungen, an mehrere Orten in Bosnien-Herzegowina wieder ein Stück Hoffnung und Zuversicht zu bringen. In vier Tagen, bei bis zu minus 27 Grad und winterlichen Straßenverhältnissen, haben wir  2 Autoladungen voll Material (das waren ca. 30 Bananenkartons) an 60 Frauen verteilt, und damit können sie nun arbeiten. (Der Transporter, der uns zugesagt worden ist, stand uns kurzfristig nicht mehr zur Verfügung, deshalb fuhren wir mit 2 PKWs).
 
Die Menschen haben sich sehr darüber gefreut. Wir haben gesagt, von wem die Sachen gespendet wurden.
 
Ich hielt einen Vortrag vor 80 neuen Frauen und habe dabei unser neues Drei-Säulen-Programm vorgestellt. Die erste Säule ist das therapeutische Stricken, die zweite Säule ist eine Ausbildung zum Stricktherapeuten und die dritte Säule ist das Taschennähen.

Durch diesen Vortrag haben sich 35 neue Frauen für Säule 3, das Taschennähen, angemeldet. Auch für die anderen beiden Säulen gab es Anmeldungen.
 
Sicher könnt Ihr Euch vorstellen, wie das ist: Alleingelassen, kein Geld oder eine kleine Rente unter 100 Euro, kein Brennmaterial, von der Welt nicht mehr beachtet und nichts mehr zu tun … Klar ist, dass dadurch "Blödsinn" (Gedanken mit destruktivem Inhalt) in ihren Köpfen sich breit macht, und die Suizidrate wird dadurch nicht weniger. Die Menschen kommen durch ihr Schicksal an die Grenze zur Kriminalität.
 
Das können wir verhindern – auch wenn es weh tut, wenn man auf Spenden angesprochen wird – jeder sollte es dennoch tun. Gerade in unserem Projekt, wo wir direkt an die Menschen liefern und nachweisen können, wo es hinkommt und seinen Zweck erfüllt.

Ich finde, wenn wir schon so eine Hoffnung bieten können, dann muss man das auch tun. Die Frauen, die bereits teilnehmen, verbessern sich zunehmend in ihrer persönlichen Lage. Sie haben mehr Stabilität und mehr Gesundheit sich er-"handarbeitet". Es spricht sich herum, dass unsere Hilfe hilft.

Deshalb mein Anliegen an Euch:

Wir brauchen dringend Geldspenden, um den Frauen in Bosnien aus ihrer tiefen Not helfen zu können, um die 35 neuen Frauen im Februar mit Material versorgen zu können, sodass sie die Möglichkeit haben, zu produzieren und dadurch ihre Lage zu verbessern. 

Es verbessert ihre Lage, weil sie etwas Nutzvolles tun können; weil sie in ihrem handwerkliches Können fähiger werden und das auch erkennen; weil sie sich in der Gemeinschaft aufgehoben fühlen und verstanden fühlen; weil sie sich gegenseitig helfen können beim gemeinsamen Handwerken.
Wir, die ihnen Material und Aufmerksamkeit geben, wertschätzen sie, indem wir das tun, was wir tun – und Ihr alle tut mit dazu. Und sie spüren, dass sie uns wichtig sind.

Wir sammeln weiter Stoffe und Nähmaschinen

Außerdem sammeln wir auch weiterhin fortlaufend: elektrische Nähmaschinen und Stoffe (mindestens 50 cm, nicht elastisch, nicht transparent, etwas festere Qualität) sowie Nähzubehör (Gute Stoffscheren, Maßband, Bügeleisen, Nähgarne, Stecknadeln).
Wenn Sie etwas geben möchten, dann rufen Sie bitte unsere neue Telefonnumer an: 0157-37 05 75 99.

Wir suchen Menschen, die mitmachen wollen

Wegen der großen Nachfrage von immer mehr Frauen und Orten aus Bosnien wächst das Projekt. Unser Team braucht dringend Verstärkung: für das Sammeln, Sortieren und Verpacken der Güter, für Internet-Recherchen, Kommunikationen, für die Fahrten nach Bosnien, für die Stricktherapie und das Nähprojekt dort… Wenn Sie interessiert sind, uns zu helfen, dann rufen Sie uns einfach an.
 

Eins ist ganz elementar: Wir müssen das, was wir versprechen, halten

Das hilft den Frauen, sich von ihren Enttäuschungen Stück für Stück zu lösen, weil sie durch uns ein anderes Erleben bekommen.

Ich hoffe, ich bin Euch nicht lästig, wenn ich von Euch immer wieder Spenden will. Ich brauche Euch wirklich und die Menschen dort brauchen mich.

Meine Freunde der initiative-siglinde, die trotz Erkältung und Husten bei den dortigen Temperaturen mit mir vor Ort gearbeitet haben, grüßen Euch auch ganz herzlich, auch wenn sie immer noch einen dickem Schal um den Hals tragen.
 

Wir fahren wieder, noch im Februar.
 

ICH ZÄHLE AUF EUCH UND IHR KÖNNT AUF MICH ZÄHLEN - DASS WIR SAUBERE ARBEIT MACHEN.
 

Herzlich


Siglinde Anzenberger

Gründerin von initiative-siglinde

November 2016
 
zuerst ein großes Danke.


Mit Ihrer  Unterstützung ist es uns gelungen im Konvoi vom 29.10. - 5.11.2016 Neues zu bewegen. Zu unserem Strickprojekt gibt es jetzt zusätzlich ein Nähprojekt, das Nähen von Stofftaschen. Mit diesem Nähprojekt geben wir zum einen den Frauen die Möglichkeit ihre Fertigkeiten in einem anderen Handwerk auszuüben und zum anderen wollen wir einen Beitrag leisten den Plastikmüll zu verringern. 


Wir haben viele Stoffe und 4 Nähmaschinen mit Zubehör gespendet bekommen. In Sarajevo sind es 4 Frauen, in Prusac sind es 10 Frauen die sich 4 Nähmaschinen teilen, in Kozarac sind es 2 Frauen die sich im Nähprojekt einbringen. Im Januar 2017 werden wir in zwei neuen Orten tätig sein, sowohl mit dem Stricken als auch mit dem Nähen.
 
Das Strickprojekt erweitert sich. In Sarajevo sind zwei neue Frauen dazu gekommen. In Kozarac waren dieses mal insgesamt 40 Frauen dabei. Es findet viel Anklang bei den Frauen.

Zum Strickprojekt:


Das Stricken ist eine Art Therapie, die den Frauen hilft, wenn man die richtigen Schritte tut, sich mehr und mehr aus ihren Traumas zu lösen und Freude in der Gegenwart zu erleben. Wir stellen fest, dass sich die emotionale Lage der Frauen von mal zu mal verändert. Die Exaktheit der Strickprodukte hat zugenommen. Die Freude am Tun ist größer geworden. Die Ausdauer und die Konzentrationsfähigkeit ist wesentlich stärker. Sie sitzen in der Gemeinschaft, genießen es zusammen sein zu können und lassen sich wenig ablenken vom Stricken. Ihr Interesse neue Modelle, neue Muster zu lernen ist höher geworden.


Diese Veränderungen im Seelischen zeigen sich an den Strickprodukten. Daran kann man die Verbesserungen erkennen. Und ein wichtiger Punkt ist, dass sie selber merken das ihre Fähigkeiten wachsen, das sie immer besser mit den Materialien umgehen können und das der Wunsch in ihnen exakter zu arbeiten ausgeprägter wurde. Das Maschenbild wird gleichmäßiger, die Fäden sind sehr sauber vernäht, die Abkettmaschen haben eine gewisse Flexibilität.

Wir konnten wieder viele Produkte, wie Schals, Loops, Pulswärmer, Rundumjacken, Haussocken und Mützen mitnehmen. All diese Sachen werden ihre Liebhaber finden.
 
Helfen  Sie uns weiterhin das Leben dieser Frauen lebenswerter zu machen. Denn jede Veränderung mehr ins Leben hinein, wirkt sich auf naturgegebene Weise auf das nähere und das weitere Umfeld aus.
 
Im Januar 2017 werden wir in zwei weiteren Orten Strickschulen und das Nähprojekt gründen. Unterstützen Sie uns weiter. Wir brauchen für Januar weiteres Material (Wolle, Stoffe, Nadeln, Häkelnadeln, Garn, Nähfäden ..) und wir brauchen Spendengelder um den Konvoi finanzieren zu können. Mit Ihrer Hilfe schaffen wir es immer mehr Frauen aus der seelischen Dunkelheit zu führen.
 
Herzlich
Siglinde Anzenberger
Gründerin von initiative-siglinde


April 2016

Seit der Gründung der ersten Strickschule, an der 5 Frauen teilgenommen haben und dabei geblieben sind, ist diese am Wachsen. In Sarajevo sind es jetzt 10 Frauen, im Herbst werden weitere dazu kommen.  Die zweite Strickschule wurde im April 2016 in Prijedor gegründet.  In dieser nahmen 18 Frauen teil und alle wollen im Herbst 2016 wieder dabei sein.   Im Herbst werden wir zur bestehenden Strickschule ein dritte eröffnen, für diese haben sich bereits  20 neue Frauen angemeldet.  

Bei den Strickfrauen in Sarajevo nehme ich bei jedem Besuch Veränderungen wahr. Dieses mal waren diese Veränderungen noch  spürbarer.  Sie sagen selber, dass ihnen das Stricken hilft zu mehr Ruhe zu kommen, es beruhigt ihre Nerven, sie können sich jetzt besser konzentrieren. An den Stricksachen die sie produziert haben seit Oktober, an der Präzisheit, der Gleichmäßigkeit, der Genauigkeit und der eigenen Kreationen kann ich sehen, dass der Prozess der Veränderung in ihnen begonnen hat und die ersten Früchte trägt. Sie sehen selbst wie sie ihre Fähigkeiten gesteigert haben, wie es ihnen gelingt über einen längeren Zeitraum konzentriert zu arbeiten. Sie fühlen sich wertvoller. Sie haben mehr Lebensenergie zurück gewonnen. Freude und Zuversicht verbreiten sich.

In den gemeinsamen Tagen reden  wir viel miteinander. Was alles in der Zwischenzeit passiert ist, ob es ihnen schwer oder leicht gefallen ist die Sachen zu stricken.  Und woran es gelegen hat. Wir sprechen darüber ob sie etwas anders machen können oder müssen.  Und was ganz wichtig ist, das ich ihre gestrickten Sachen begutachte, und auf Fehler anschaue. Das erwarten sie mittlerweile von mir. Sie möchten nicht mehr, wie zu Beginn, das darüber hin weg gesehen wird.  Weil sie nun von sich aus  besser werden wollen, es ist ihr eigenes Wollen. Das ist ein wesentlicher Fortschritt. Ich bin berührt und begeistert von all dem.

In der neuen Strickschule  ging es erst mal darum festzustellen was können die Frauen im Stricken. Wenige  waren darin geübt, einige haben  seit 20 Jahren nicht mehr gestrickt und die Hälfte konnte nicht stricken. In kurzen Vorträgen habe ich  vermittelt worum es geht und worauf sie sich einlassen.  Sie haben geübt, sie haben sich angestrengt. Maschenanschlag, Gestricktes das Mängel hatte  wieder auflösen und neu beginnen bis es in einer Qualität ist, die es braucht und die auch gewünscht wird.  Und sie haben sich gegenseitig unterstützt. Diejenigen die stricken können haben es den Frauen beigebracht die es lernen wollen.  So ist ein Kreis aus Geben und Nehmen entstanden. Alle Frauen haben sich wohl gefühlt und sich nach den drei Tagen entschieden an der Strickschule teilzunehmen. Und es gab einen ganz wunderbaren Moment -  alle Frauen haben mitsammen für uns gesungen.  In dieser Region gab es seit dem Krieg keine humanitäre Unterstützung dieser Art. Umso wichtiger ist es nun stabil für die Frauen da zu sein und so die Zeit der Nichtbeachtung zu überwinden.

Für alle Teilnehmerinnen in beiden Strickschulen gab es dieses mal Mitgliederausweise. Auf diese haben sie ihre Namen geschrieben und unterschrieben.  Auch von mir wurden die  Ausweise unterschrieben und mit Stempel versehen. Dies ist ein wichtiger Punkt. Er zeugt von Dauerhaftigkeit, Zugehörigkeit und gibt Stabilität. Und ist Ausdruck von Wertschätzung.

All das gehört zum Gesundungsprozess und unterstützt den therapeutischen Ansatz in dem Projekt. Dieser besteht unter anderem darin, zeigen zu dürfen das man etwas kann und was man kann,  das stärkt den Glauben an sich. Zugeben zu dürfen das man etwas noch nicht kann und die Chance zu bekommen es zu lernen. Und zu entdecken das Lernen aus Üben besteht und es solange tun darf bis man weiß man kann es – ich darf mir die Zeit nehmen die ich brauche um es zu können. Mir wird geholfen die Stolpersteine des Aufgebens zu überwinden und so an mein Ziel zu kommen.

Ein Danke von Herzen

an Alle die uns auf diesem Weg begleiten und unterstützen und so zum Gelingen beitragen.

Was du willst das dir getan, das tue für andere“ – in diesem Sinne

Alles Gute

Siglinde Anzenberger


November 2015

Schon während der herzlichen Begrüßung wurde klar das es einen Nachholbedarf im Plaudern und sich Mitteilen bei den Frauen gibt. Das hat etwas meine Planung für den Tag durcheinander gebracht, aber dies hatte Priorität aus meinem Verständnis heraus.

Von den 10 Frauen die da waren, waren 2 neu. Beide haben bereits Strickkenntnisse. Was mich immer wieder verblüfft, dass es nicht lange dauert dann sind die Neuen in die bereits bestehende Gruppe aufgenommen.

Es wurde die Bitte an uns rangetragen ob wir den Frauen nicht ein Tagesgeld von 10 KM geben können, für den Bus und die Verpflegung. Dem haben wir zugestimmt.Nach der Aufforderung zu erzählen wie es ihnen mit dem Stricken ergangen ist, was gut gelungen ist, wo es Schwierigkeiten gab, hat jede Frau berichtet. Eine Frau hat erzählt sie hatte den Sommer über mit Bluthochdruck zu kämpfen, deshalb hat sie weniger machen können. Auch war es für sie nicht leicht, weil die Wolle sehr dünn war. Andere Frauen sagten, dass sie auch nicht soviel machen konnten weil sie mit Feldarbeit beschäftigt waren. Und eine Frau hatte viele Arzttermine, deshalb hat sie wenig dabei.  Für eine Frau hat sich herausgestellt, dass die Nadelstärke zu dick war. Einige Frauen haben berichtet, dass das Stricken ihnen hilft zur Ruhe zu kommen. Und dann müssen sie keine Medikamente nehmen.

Es war zu spüren, das sie alle die Befürchtung hatten sie würden dafür gerügt. Ich habe ihnen eklärt, dass es nicht um Quantität geht bei unserem Tun, sondern darum das sie in ihrerm Ermessen stricken und das es um Exaktheit geht im Tun.


Bemerkenswert war für mich zu sehen das es unter ihnen weder Neid noch "es besser können müssen" gibt. Vielmehr interessieren sich sich für die anderen und wünschen sich das es allen gut geht.

Interessant war für mich zu erleben wie eine der Frauen mir ihre Pulswärmer zeigte und ich sie korrigieren musste, weil sie ungleichmäßig zusammen genäht waren. Ihr Vorschlag war, sie könne ja drüber häkeln dann würde man es nicht mehr sehen. Worauf hin ich meinte, ob das dann präzise arbeiten ist? Das verneinte sie zwar, aber dennoch wäre das doch eine Lösung. Ich fragte sie dann nach ihrer Richtigkeit, will sie lernen ganz präzise zu arbeiten oder irgendwie passt es schon. Nach einigem Zögern, sagte sie "Nein, sie möchte schon präzise arbeiten". Darauf hin sagte ich zu ihr, sie könne entscheiden was sie nun mit den Pulswärmern macht.

Am nächsten Tag brachte sie die korrigierten Pulswärmer mit strahlendem Gesicht wieder mit.

Feststellen konnten wir, dass sich die Frauen sehr gefreut haben und wieder zu sehen. Es war zu spüren, dass ihr Vertrauen in uns zunimmt und das sich wahrgenommen und wert geschätzt fühlen. Schon wie sie angekommen sind wirkte ihre Stimmung anders, weniger bedrückt, heiterer.

Bei dem Vortrag mit Diskussion, wo ich auch nochmal darüber sprach worum es in dem Projekt geht, was ist der Zweck, kam es zu mehr Verstehen zum Projekt und warum es schwierig sein kann etwas zu lernen, eine Fähigkeit zu erhöhen und warum Fehler passieren.  Es ging auch darum was passiert in einem bei einem Konflikt, wodurch kommt dieser überhaupt zustande. Wieso entsteht dabei Anspannung bis hin zu Kopfschmerzen. Und welche Möglichkeiten hat jede Frau damit umzugehen.

Dabei erzählten die Frauen aus ihrem Leben, was sie sich vorgenommen hatten und haben und wie es ihnen gelang oder eben nicht gelang das Gewünschte zu erreichen und umzusetzen. Wir sprachen darüber wie sie sich dabei fühlten wenn es ihnen gelungen ist und wenn es ihnen nicht gelungen ist. Und welche Gedanken und Gefühle sie dabei hatten. Es war schön zu sehen, wie sie auf ihr Leben schauten und dann Beispiele erzählt haben, wodurch der Unterschied mehr in ihr Bewusstsein kam.

Am Beispiel "Ich rede und gestikuliere und gehe und falle fast über einen Stuhl", und beschimpfe dann den Stuhl "blöder Stuhl" zeigte sich, dass nicht der Stuhl für mein Missgeschick verantwortlich ist, sondern WER? Die Antwort aus dem Publikum war "Natürlich bist du schuld, weil du hast ja nicht aufgepasst" und dabei gab es sehr viel Lachen. 

Durch dieses einfache Beispiel kam Bewegung in ihre Sichtweisen und gewohnten Gedankengänge.

Priorität in dem Projekt hat ihre Hinein Entwickeln in "immer mehr auf eigenen Beinen stehen", an zweiter Stelle ist das Geld verdienen. Weil wenn ersteres zunimmt, nimmt zweiteres automatisch auch zu.

Die Erklärung das wir kein Wirtschaftsunternehmen sind, sondern ein Projekt bei dem die Gesundung im Vordergrund steht, und demzufolge nicht nur das erzeugte Produkt zählt, sondern das bei uns der therapeutische Erfolg zählt hat ihnen eingeleuchtet.

Zu dem Vortrag mit Diskussion möchte ich noch erwähnen das ich die Frauen bewundert habe für ihr Durchhaltevermögen, ihre Aufmerksamkeit und ihre Bereitschaft und Offenheit sich mit dem Gehörten, den neuen Sichtweisen auseinanderzusetzen. Auch die Bereitschaft und ihr Interesse sich mit den Fehlern zu beschäftigen ging mir zu Herzen.  Sie haben die meisten Fehler erkannt und herausgefunden woran es lag. Toll.

Dies ist ein weiteres Zeichen von Gesundung - sich Fehlern zu stellen, sie zu betrachten und in die Verantwortung zu gehen und sich einzugestehen das es an der eigenen Unaufmerksamkeit lag und nicht an irgendwelchen Umständen.

Dieses zu leben, bedeutet den Boden für ihr Vertrauen und das daraus resultierende Wachsen können. Auf einem Boden von Misstrauen kann kein gesundes Wachstum, keine stabile Entwicklung statt finden, weil man sich nicht wirklich aufeinander einlassen kann und mag.

Die Frauen haben wieder Wolle für weitere Strickwaren mit nach Hause genommen, jede soviel sie wollte und für das was sie stricken möchte. Es werden wieder dieselben Produkte hergestellt, zusätzlich gibt es ein neu erlerntes Muster für die Schals.

Die Abschlussrunde hat uns sehr berührt, weil sehr viel Dankbarkeit geäußert wurde für die Wertschätzung ihnen gegenüber, in Form von Ehrlichkeit, Kritik die ihnen hilft, Erinnern an ihre moralischen Werte und unser Zutrauen in sie. Das Gemeinschaftsgefühl (über alle Grenzen) hat zugenommen. Dieses zu erhalten und zu vermehren ist für uns eine menschliche Verpflichtung aus dem Herzen.

Außerdem fand noch ein Besuch bei einem Imam und seiner Frau statt. Beide haben großes Interesse bekundet das in ihrem Dorf und zwei weiteren Orten Strickschulen eröffnet werden. In den zwei Orten gibt es bislang keinerlei Unterstützung und Hilfe für die Frauen seit dem Ende des Krieges.

Denn eines ist klar, egal ob alt oder jung ..., das Gefühl gebraucht zu werden ist für jeden Menschen ein Lebenselixier, für diese Frauen aber ganz besonders.

Es ist ein wunderbares Projekt, wo sich alle Menschen die sich daran beteiligen näher kommen, mehr sich in einer Gemeinschaft fühlen dürfen und verantwortlich füreinander sind und werden (wie jeder kann und mag).

Ich danke Allen sehr, dass sie dieses Projekt unterstützen und durch ihre Spenden diese echte Entwicklung ermöglichen.

Siglinde Anzenberger

Begründerin und Projektleitung


März 2015

Letztes Jahr im März war ich mit einer Freundin für eine Woche in Sarajevo, um den Frauen Strickmodelle zu zeigen, die sie in der Zeit bis zum nächsten Treffen anfertigen können. Für diese Modelle braucht es vor allem die Fähigkeit und Fertigkeit, gleichmäßig zu stricken. Allein für diesen Schritt brauchte es mehr Zeit als ich gedacht habe. Beim Üben kamen schon die ersten Stolpersteine, die es zu überwinden galt. Was wir mit vereinten Kräften geschafft haben.

Mir war der Umstand nicht in der Größenordnung bewusst, wie anstrengend es für die Frauen sein kann, konzentriert bei der Sache zu bleiben. Und wie ungut es ist, einen Fehler zu erkennen, alles wieder zerstören zu müssen und von Neuem damit zu beginnen. Am Anfang war es so, dass die Frauen die Fehler nicht erkennen konnten oder wollten. Am Ende war es so, dass sie selber gesehen und verstanden haben, dass jeder Fehler passiert ist, weil sie mit ihren Gedanken woanders waren. Sie haben in sich die Bereitschaft entwickelt, Fehler zu erkennen und diese zu beheben und nicht mehr darüber hinwegzusehen. Eine Frau sagte am Ende ganz stolz zu mir: „Wenn du wiederkommst, wirst du keinen einzigen Fehler entdecken!“ Was uns auch bewusst wurde: dass jede Frau ihre Pause nehmen muss, so oft und so lange, wie sie das braucht. Ansonsten entsteht ein zu großer Druck auf sie, die Spannung wird zu hoch.

Was uns dabei sehr ergriffen hat, sind der Lernwille und die gegenseitige Unterstützung der Frauen. Und wie sehr sie sich bemüht haben, das Ergebnis, das verlangt wurde, zu erzielen. Am Ende hatten sie es alle geschafft. Und es war zu spüren, wie stolz sie auf sich waren. Mit Recht. 



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